Jahrgang 2008 Nummer 4

Vor 50 Jahren gab es eine Musikkapelle Freimann

Beim Dreschen haben sich die Musikanten zusammengefunden – Nur wenige Jahre bestanden

Eines der wenigen Bilder, die von der Freimanner Blaskapelle noch existieren (von links): Alfons Barmbichler, Oberaschau (Trompe

Eines der wenigen Bilder, die von der Freimanner Blaskapelle noch existieren (von links): Alfons Barmbichler, Oberaschau (Trompete), Georg Weiß, Oed (Trompete), Alois Heigermoser, Lug (Trommel), Stefan Weiß, Holzhausen (Tenorhorn), Heinrich Würnstl, Hochreit (Klarinette), Alois Weiß, Oed (Tenorhorn), Emil Osenstätter, Breitenloh (Klarinette), Georg Haberlander, Oberau (Klarinette), Hans Burggraf, Holzhausen (Klarinette), Willi Würnstl, Oberaschau (Bass).
Rund 50 Jahre ist es her, dass sich die Blaskapelle des kleinen Ortes Freimann - damals eine selbstständige Gemeinde, heute der Marktgemeinde Waging zugehörig - aufgelöst hat. Heirat und Wegzug waren wohl die hauptsächlichsten Gründe, dass die kleine Musikgruppe schon wenige Jahre nach ihrer Gründung im Jahr 1947 wieder aufgehört hat, zu bestehen.

Etliche Burschen hatten sich in jenem Jahr zusammengefunden, um eine Musikkapelle zu gründen. Gründungsmitglieder waren Alois Weiß, Otto Mayer, Stefan Weiß, Emil Osenstätter, Georg Haberlander, Christian Vordermayer, Willi Würnstl, Alois Heigermoser, J. Wieland und Georg Weiß. In der Erinnerung einzelner Musikanten wird das Dreschen beim Wirt von Straß, den es damals noch gab, als Geburtsstunde der Blaskapelle Freimann angegeben. Beim Dreschen waren seinerzeit ja viele Menschen notwendig. Als alles vorbei war, hat man es sich bei Essen und Trinken gut gehen lassen, »Drischleg« begangen, wie man das nannte. Man saß zusammen und hat gefeiert. Da haben dann einige der Burschen alte Instrumente herausgezogen und angefangen zu spielen. In den frühen Morgenstunden, so wird erzählt, sei dann der Gedanke aufgekommen, dass sie doch auch weiter zusammen Musik machen könnten Die ersten Proben fanden in jenem Jahr 1947 beim »Obermoier« in Oberaschau statt, dem Hof, aus dem Heinrich Würnstl herstammt, der dann erster Musikmeister der Kapelle war. Später wurden die Proben offenbar zum Wirt nach Straß verlegt. Würnstls Nachfolger als Musikmeister war dann ein gewisser J. Wieland, dessen Spuren sich verloren haben.

Ihre musikalischen Kenntnisse hatten die jungen Musikanten von der Volksschule in Otting, wo seinerzeit mit einem Hauptlehrer Günzkofer ein Mann unterrichtete, der selber recht musikalisch war und von daher sich sehr dafür einsetzte, dass auch seine Schüler ein Instrument erlernten. So fanden, wie aus diesen Jahren berichtet wird, jede Woche »strenge und äußerst disziplinierte Musikproben« statt. Nach dem Krieg musste Lehrer Günzkofer wegen seiner parteipolitischen Einstellung, die möglicherweise auch auf den Charakter besagter Proben abgefärbt hat, aus dem Schuldienst ausscheiden.

Seine Schüler aber gründeten im Jahr 1947 aus Freude am Musizieren die Freimanner Blaskapelle. Ihre Auftritte hatten die Musiker bei Hochzeiten und bei Faschingsveranstaltungen, bei Ritten und natürlich auch bei Vereinsfesten, viele in Hart, Hörpolding und Traunwalchen. Fünf bis sechs Jahre mögen es gewesen sein, dass die Freimanner Musikanten auf diese Weise aktiv waren, wie sich Georg Weiß vom Eichenberghof noch erinnert.

Zu den Veranstaltungen zu kommen, bei denen sie als Musikanten engagiert wurden, war für die jungen Leute damals mit erheblichem Aufwand, vor allem auch Zeitaufwand, verbunden: Sie waren mit ihren Radln unterwegs oder fuhren schon auch mal mit dem Bulldog dahin, im Winter auch mal mit Rossschlitten. Von einem solchen »Winterausflug« ist die Geschichte überliefert, dass nach einem langen Musikabend, als sie von einer Feier in Hart heimfahren wollten, kein Schnee mehr da war. Die Freimanner Musikanten waren wohl auch die erste Blechmusik. die im Kurhaus-Areal in Waging gespielt hat, der damals nur ein Bretterverschlag war.

Als sich die Kapelle dann auflöste, schlossen sich manche von den Musikanten der Ottinger Blaskapelle an oder traten anderen Gruppierungen bei. Willi Würnstl, auf dessen elterlichem Anwesen auch immer wieder Proben stattgefunden hatten, war danach jahrelang als Bassist bei der Blaskapelle Traunstein tätig. Georg Weiß spielte mehrere Jahre bei der Stadtkapelle Türkheim die Trompete. Und der damalige Trommler Alois Heigermoser gab bekanntlich über Jahrzehnte hinweg als Bürgermeister der Gemeinde Waging am See den Ton an.

Hans Eder



4/2008