Jahrgang 2006 Nummer 10

Vom Kürbenzäunerssohn zum Professor

Andreas Schmeller – Volkskundler und Verfasser des Bayerischen Wörterbuches

Andreas Schmeller

Andreas Schmeller
Titelblatt der Erstausgabe von Schmellers »Bayerischem Wörterbuch«, 1. Band 1827.

Titelblatt der Erstausgabe von Schmellers »Bayerischem Wörterbuch«, 1. Band 1827.
Am 6.8.1785 wurde Andreas Schmeller in Tirschenreuth/Oberpfalz als 5. Kind eines Korbmacherehepaars geboren. Seinen ersten Unterricht in Lesen, Schreiben und Rechnen erhielt er mangels einer Schule, in seinem späteren Wohnort Rinnberg bei Pfaffenhofen/Ilm vom Vater. Bald war er in der Lage, selbst in der zu unterrichten und sich damit etwas Geld zu verdienen. Später besuchte er die Schule in Pörnbach, das Klosterseminar in Scheyern und das Gymnasium in Ingolstadt und München. Nach abgeschlossener Schulausbildung zog es Schmeller im Militärdienst oder als Lehrer nach Spanien und in die Schweiz. 1813 meldete er sich freiwillig gegen Napoleon ins bayerische Heer. Er wurde sehr oft vom Dienst beurlaubt, um seine begonnenen Arbeiten über Mundarten und am Wörterbuch voranzubringen.

Auf Anregung von König Ludwig I. begann Schmeller im Auftrag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in allen bayerischen Landesteilen Vergleichsmaterial für seine Arbeit über die bayerische Sprache und Mundarten zu sammeln. 1821 erschien sein Werk »Die Mundarten Bayerns grammatisch dargestellt«. Der große Germanist Jakob Grimm schrieb über diesen herausragenden Kenner des Bairischen und zahlreicher anderer Sprachen: »Ihm stand ein Genius zur Seite, der ihm zuraunte, und eingab, was er unternehmen sollte und was er ausgeführt hat«.

1829 schied Schmeller endgültig aus dem Heer aus. Die Ernennung zum Kustos an der Hof- und Staatsbibliothek brachte dem nun 44jährigen erstmals materielle Sicherheit und eine unbefristete Anstellung. 1846 wurde er Professor an der Münchner Universität. 1848 wurde er zum Sekretär der Philosophisch-Philologischen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Schon 1827 hatte die Universität München Schmeller, der nach seiner Schulzeit nicht studiert hatte für sein bisheriges Werk die Ehrendoktorwürde verliehen. Trotz seines steilen gesellschaftlichen und sozialen Aufstiegs vergaß Schmeller nie seine Herkunft. Standesdünkel der Hohen Beamten waren ihm fremd. J. A. Schmeller hat auch Volkslieder und Reime gesammelt und berichtet über Gepflogenheiten beim Singen, Musizieren und Tanzen. Er hat Lieder aus dem Mund der Sänger in Text und Melodie aufgezeichnet. Die Texte erfasste er in einer eigens dafür entwickelten Lautschrift. Eines der Volkslieder stammt aus Tinning bei Trostberg. Der volkskundliche Nachlaß von Andreas Schmeller ist in der Bayerischen Staatsbibliothek unter dem Namen »Schmelleriana« zusammengefaßt und steht den Interessierten zur Verfügung.

Siegi Götze



10/2006