Jahrgang 2004 Nummer 45

Urzeitliches Naturpanorama im Wimbachtal

Auf den Spuren der Fürstpröpste und Holzknechte zwischen Watzmann und Hochkalter

Im Wimbachgries, zwischen den mächtigen Bergrücken des Watzmann und des Hochkalter sowie vor der Kulisse des Steinernen Meeres (

Im Wimbachgries, zwischen den mächtigen Bergrücken des Watzmann und des Hochkalter sowie vor der Kulisse des Steinernen Meeres (Hintergrund) eröffnet sich dem Wanderer der Blick auf eine urtümliche Landschaft.
Die Mühsal des Brotwerbes in den Tälern des Berchtesgadener Landes und die Freuden der Hohen Jag in der gleichen Landschaft lassen sich heute inmitten des Bayerischen Nationalparks nur noch erahnen. Heute führt einer der schönsten Wanderwege im Berchtesgadener Land durch die Wimbachklamm in das Wimbachgries zwischen den mächtigen Bergrücken des Watzmann zur einen und des Hochkalter zur anderen Seite.

Nach dem Weg durch die wildromantische Wimbachklamm erreicht der Wanderer den gut ausgebauten und nur mäßig steilen Weg entlang des Wimbaches. Raststationen bieten nicht nur Information zur Natur des Tales und zum Bergwald in der über weite Strecken unberührten Natur, sondern erlauben auch immer wieder Blicke auf das phantastische Panorama der umgebenden Berge mit dem Steinernen Meer im Hintergrund.

Nach etwa eineinviertel Stunden Gehzeit erreicht man das Gasthaus Wimbachschloss mit einem lauschigen Kastaniengarten, nach etwa zweieinviertel Stunden die Wimbachgrieshütte am Fuß des Steinernen Meeres. Das Wimbachtal war in vergangenen Jahrhunderten land- und almwirtschaftlich genutzt. Diese Nutzung wurde urkundlich schon im späten 14. Jahrhundert erwähnt; von einer forstwirtschaftlichen und jagdlichen Nutzung zu dieser Zeit kann ebenfalls ausgegangen werden. Die Ramsauer Holzknechte schlugen schon sehr früh Holz aus den Wäldern am Wimbach für die Saline Berchtesgaden. Die Stämme trifteten sie dann auf dem Wimbach durch die Klamm. Zu diesem Zweck wurde ein Triftsteig durch die Klamm angelegt, der nebenbei auch zum Transport von Heu für die Wildfütterung im Wimbachtal diente. Der Wimbach war zu dieser Zeit als einer der bedeutendsten Nebenbäche für die Holztrift eingestuft.

Die Jagd übten die Fürstpröpste in Berchtesgaden aus. Nach Auflösung der Fürstpropstei und Übergang Berchtesgadens in das Königreich Bayern (1810) übernahmen sie die Wittelsbacher Herrscher. Als besonders der Jagd verschrieben zählte man König Max Joseph II. (1848 bis 1864) und Prinzregent Luitpold (1876 bis 1912), die jeden Herbst im Wimbachtal bedeutende Hofjagden abhielten.

Das Wimbachjagdschloss, im Volksmund Wimbachschloss genannt, wurde 1784 vom letzten Fürstpropst von Berchtesgaden, Joseph Conrad von Schroffenberg (1780 bis 1803), erbaut. Heute beherbergt das Wimbachschloss die Gaststätte mit Herberge.

Interessant ist auch der ehemalige Abbau von Kreide, geologisch Seetone, im Wimbachtal, einige 100 Meter hinter dem Klammende. Die Kreide wurde in einer unterhalb der Wimbachklamm stehenden Mühle gemahlen, nach Salzburg transportiert und dort zu Kitt, Farbe und Augenheilmittel weiterverarbeitet.

Der Betrieb wurde in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts eingestellt. Er konnte gegen die aus Bad Ischl im Salzkammergut gewonnene Kreide nicht mehr konkurrieren.

Die königliche Salinenadministration stellte die Trift durch die Klamm 1843 ein. Bereits 1847 konnte die Klamm dann touristisch besichtigt werden. 1874 übernahm die Sektion Ramsau des Verschönerungsvereins Berchtesgaden die Bewirtschaftung der Klamm. 1882 erneuerte der Verein in Zusammenarbeit mit der Alpenvereinssektion und dem Distriktsrat den Zugang und die Holzstege der Wimbachklamm. 1927 hatte die Wimbachklamm bereits 42 000 Besucher aufzuweisen, heutzutage zählt die Kurverwaltung Ramsau rund 100 000 Besucher pro Jahr.

Leicht erreichbar ist die Wimbachklamm mit dem anschließenden Wimbachgries von der Bushaltestelle und dem Parkplatz an der Wimbachbrücke neben der Bundesstraße 305 von Ramsau nach Berchtesgaden.



45/2004