Jahrgang 2008 Nummer 3

Ungebetene Gäste bedrohen die Gesundheit

Eine Ausstellung über Parasiten im Museum Mensch und Natur

Bettwanzen gehören zu den unangenehmsten Plagegeistern des Menschen

Bettwanzen gehören zu den unangenehmsten Plagegeistern des Menschen
Leben und leben lassen – das ist nicht nur ein altbewährter Grundsatz der altbayerischen Lebensart, sondern auch das Motto einer Ausstellung des Museums »Mensch und Natur« im Schloss Nymphenburg in München, die sich mit der Biologie, der Bedeutung und den Gefahren von Parasiten befasst.

Wo immer es Leben gibt, finden sich auch Parasiten, gleichermassen bei Menschen, bei Tieren und bei Pflanzen. Nach dem Lexikon handelt es sich dabei um Lebewesen, die ganz oder teilweise auf Kosten anderer leben. Musterbeispiele sind Läuse und Flöhe, Zecken, Spul-, Band- und Lungenwürmer, Leberegel und Amöben, aber auch Pilze, Bakterien und Viren. Sprachlich leitet sich das Wort vom griechischen »Parasitos« ab - einem Mitesser, der sich ungebeten zu einem Gastmahl einschleicht und auf diese Weise ohne Gegenleistung in den Genuss der Bewirtung kommt. »Parasiten überraschen uns immer wieder mit ausgefallenen und raffinierten Strategien, um an ihr Ziel zu gelangen« sagt Dr. Michael Apel, der Leiter des Münchner Naturkundemuseums. »Mittelpunkte des Parasitenlebens sind beim Menschen entweder die inneren Organe oder Haut, Muskeln, Drüsen oder Haare, wo die Eindringlinge einerseits Wohnung, andererseits Nahrung finden. Dabei ist dem Parasiten natürlich daran gelegen, den von ihm heimgesuchten Wirt nicht allzu stark zu schädigen oder gar zu töten, denn damit würde er sich die eigene Lebensgrundlage entziehen.«

Grundsätzlich unterscheidet man Ektoparasiten, die auf der Körperoberfläche des Wirts leben, und Endoparasiten, die sich auf die inneren Organe spezialisiert haben. Aufgrund ihrer extremen Lebensweise zeigen die meisten Parasiten sehr ähnliche Anpassungserscheinungen, wie beispielsweise Rückbildung der Beine und der Sinnesorgane, Verlust der Farbe, Rückbildung der Fressorgane und des Verdauungsapparates. Alle Parasiten stammen von ursprünglich freilebenden, selbstständigen Vorfahren ab. Die Schwierigkeit, immer das geeignete Opfer zu finden, hat dazu geführt, dass die Parasiten zur Erhaltung ihrer Art eine ungeheure Zahl von Eiern erzeugen.

Zu den pflanzlichen Parasiten gehören gefürchtete Schädlinge unserer Kulturpflanzen wie die Rost-, Brand- und die Mutterkornpilze. Ein erheblicher Teil der Kartoffelernte wurde früher durch die von Pilzen verursachte Kraut- und Knollenfäule und durch den Kartoffelkrebs zerstört. In den Blättern und Früchten unserer Obstbäume leben die Erreger der Schorfkrankheit sowie der Fruchtschimmel, am Weinstock verursachen Mehltaukrankheiten empfindliche Schäden. Dabei begünstigt natürlich die dichte Bebauung großer Flächen mit den gleichen Pflanzen die Vermehrung und die Ausbreitung der ungebetenen Gäste.

Unter den tierischen Parasiten können eine ganze Reihe für den Menschen nicht nur unangenehm, sondern höchst gefährlich werden. Wie die Statistik der Weltgesundheits-Organisation WHO nachweist, leiden vor allem in den Ländern der Dritten Welt Millionen Menschen an parasitären Erkrankungen, viele sterben sogar daran. Malaria und Bilharziose sind bis heute nicht ausgerottet. Auch bei uns sind Parasiten wie der Fuchsbandwurm oder die Zecke (Holzbock) nach wie vor eine reale Gefahr.

Der menschliche Darm wird hauptsächlich von schmarotzenden Einzellern und von Würmern bewohnt. So zerstört eine bestimmte Amöbenart die Zellen der Darmschleimhaut und ruft die tropische Amöbenruhr hervor. Spulwürmer und Bandwürmer leben dagegen vom Darminhalt. Die Bandwürmer sind mit Saugnäpfen, manche Formen auch mit einem Hakenkranz, am Vorderteil versehen, mit dem sie sich in der Darmwand festklammern. In anderen Geweben des Körpers entwickeln sich die Muskeltrichinen und die Jugendformen des Bandwurms, die sogenannten Finnen, und ernähren sich von der Körperflüssigkeit.

Zur Erhaltung ihrer Art müssen viele Innenschmarotzer immer wieder in neue Wirte gelangen, denn der Tod des alten Wirts hat auch den Tod des Parasiten zur Folge. Die Übertragung von einem Wirt zum andern geschieht meist durch Berührung oder bei der Nahrungsaufnahme, zuweilen aber auch durch die Vermittlung anderer Tiere (»Zwischenwirte«) wobei ein Teil der Entwicklung in den Überträger verlegt werden kann. Man spricht in solchen Fällen vom »Wirtswechsel«, denn auch im Zwischenwirt leben die Zwischenformen als Parasiten. Durch die Einschaltung mehrerer Zwischenwirte kann ein solcher Wirtswechsel sehr kompliziert sein und seine Aufklärung hat den Biologen lange Zeit große Rätsel aufgegeben.

Eine erfolgreiche Bekämpfung gefährlicher Parasiten erfordert bestimmte Schutzmaßnahmen. Wichtig sind absolute Sauberkeit und Hygiene, die Kontrolle des Trinkwassers und eine ordnungsgemäße Beseitigung der Fäkalien und des Abwassers. Dass verdorbene Lebensmittel nicht gegessen werden dürfen, sollte selbstverständlich sein. In Europa hat die Einführung der amtlichen Fleischbeschau dazu geführt, dass Bandwürmer und Trichinen und die von ihnen verursachten Krankheiten praktisch verschwunden sind. Parasiten können aber auch therapeutischen Zwecken dienen, vorausgesetzt sie werden gezielt und kontrolliert eingesetzt. In der Heilkunde schätzt man seit Jahrhunderten die zu den Ringelwürmern gehörenden Blutegel, die mit ihren scharfen Kiefern kleine Wunden in die Haut ritzen und sich festsaugen. Spezielle Enzyme verhindern die Blutgerinnung und ermöglichen einen schmerzfreien »Aderlass«, der bei bestimmten Krankheiten sehr nützlich sein kann. In den letzten Jahren haben außerdem einige Fliegenmaden die Aufmerksamkeit der Mediziner gefunden. Präziser als jeder Chirurg sind sie in der Lage, abgestorbenes Wundgewebe zu entfernen und eine Wundheilung ganz ohne den Einsatz von Medikamenten herbeizuführen. Die Ausstellung ist bis 24. Februar 2008 täglich außer Montag, von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Julius Bittmann



3/2008