Jahrgang 2002 Nummer 52

So kommen Sie gut ins neue Jahr: »Silvesterbräuche«

In fast jedem Kulturkreis gibt es Bräuche, Riten und Speisen, die Glück, Reichtum und Segen sichern sollen

Was wünschen Sie sich für das neue Jahr? Die Zeit des Jahreswechsels ist von Alters her die Gelegenheit, das Schicksal im kommenden Jahr positiv zu beeinflussen.

Bekannte Glücksbringer, die auf Silvesterpartys und beim Zusammen sein mit lieben Freunden gern verschenkt werden, sind Hufeisen, vierblättrige Kleeblätter, Marzipanschweinchen und symbolbehaftete Gebäcke.

Brezeln, Kränze, Ringe und Zöpfe aus Hefeteig mit verfeinernden Zutaten wie Rosinen symbolisieren Unendlichkeit und Verbundenheit. Und nach altem Volksglauben bieten sie magischen Schutz gegen Unheil und Dämonen. Gute Gründe, diese Gebäcke zu Silveser zu verschenken oder zusammen mit der Familie und guten freunden zu verzehren.

Auch die traditionelle deutsche Neujahrsspeise, eine Suppe aus Hülsenfrüchten – je nach Region Erbsen-, Linsen- oder Bohnensuppe – soll Reichtum und Segen für das neue Jahr bringen. Ebenso wirkungsvoll soll eine im Geldbeutel verwahrte Schuppe des Silvesterkarpfens sein: Auf dass das Portemonnaie das ganze Jahr prall gefüllt sei.

Lange Tradition haben auch Glückskuchen und Torten, in die Geldmünzen mit eingebacken werden. Dieser Brauch öffnet die Tür zu einem Blick in andere Länder: Das Balisiusbrot in Griechenland ist ein solches Glücksbrot. In Großbritannien liebt man es pikant: Hier sind dreieckige Kuchen mit Hackfleischfüllung eine traditionelle Silvesterspeise, an Neujahr jedoch steht selbst gebackener Kuchen und Wein im Mittelpunkt, der anlässlich eines Besuchs bei den Nachbarn verzehrt wird.

In Schottland wird zum gefüllten Schafsmagen, dem Haggis, zum Jahreswechsel mit Hot Pint, einem Punsch aus Starkbier, Whisky und Eiern, angestoßen.

Punsch ist auch in Deutschland ein beliebtes Getränk an Silvester: In Form von Feuerzangenbowle verkürzt das aromatische Getränk das Warten auf den Jahreswechsel aufs Angenehmste. Einer der Höhepunkte des Abends ist sicher das Anzünden des rumgetränkten Zuckerhutes, der unter der Flamme langsam schmilzt und in den warmen Gewürz-Rotwein tropft. Welch anregende Wirkung das so entstandene Getränk entfaltet, haben Generationen begeisterter Fans aus dem gleichnamigen Roman und Film erfahren.

Energie für eine lange, ausgelassene Feier liefert traditionelles Schmalzgebäck wie Berliner, Spritzkuchen und Mutzen. Sie sind ebenso gut wie süße Äpfel in Honig dazu geeignet, als Symbol für ein »süßes« neues Jahr zu dienen. Der in Honig getauchte Apfel wird übrigens in Israel verzehrt, auch wenn das neue Jahr dort am 7. Oktober beginnt, da die Zeitrechnung auf einem anderen Kalender begründet ist und auf das Jahr 3761 vor Christus zurückreicht. Doch gerade zu Silvester ist es ein schöner Gedanke, dass ein »süßes« Jahr bevorsteht, nicht wahr?



52/2002