Jahrgang 2010 Nummer 53

Silvester – Papst und Baumeister

Er ist der erste heilige Papst, der nicht den Märtyrertod starb

Silvester, der bereits seit dem 5. Jahrhundert in Europa verehrt wird, ist der Schutzpatron der Haustiere sowie für eine reiche Ernte und ein gutes neues Jahr. Aus dem Patronat für die Haustiere entwickelte sich in Türkenfeld bei Fürstenfeldbruck ein feierlicher Silvesterritt, der auf eine Viehseuche vor zweihundert Jahren zurückgeht.

Bei Silvester denken wir an den letzten Tag des Jahres mit fröhlichem Feiern und Feuerwerk. Mit all dem hat der historische Silvester nichts zu tun. Er wurde im Jahr 314 der 33. Papst und regierte 21 Jahre lang die noch kleine Kirche. Sein Pontifikat fiel in die Zeit der Regentschaft Kaiser Konstantins des Großen, der 313 durch das Mailänder Edikt die Christenverfolgung beendete und dem Christentum die Gleichstellung mit der römischen Religion zusicherte. Von nun an konnte sich die Gemeinde der Christen als Kirche frei entfalten. Gefördert durch Konstantin ließ Silvester 325 über dem Grab des Apostels Petrus die erste Peterskirche in Rom erbauen. Er starb am 31. Dezember 335 in Rom und wurde in der Priscillakatakombe beigesetzt. Reliquien befinden sich in der Kirche S. Silvestro in Capite in Rom. Silvester ist der erste heilige Papst, der nicht den Märtyrertod starb.

Einer Legende nach soll Silvester den kranken Konstantin vom Aussatz geheilt und getauft haben. Dafür soll im der Kaiser Rom, Italien und das Abendland zum Geschenk gemacht haben, ein Geschenk, das als »Konstantinische Schenkung« in die Geschichte einging. Heute weiß man, dass es sich dabei um eine Fälschung handelt.

Darstellung: Silvester wird sehr häufig als Papst mit Kreuz, Buch, Muschel und Ölzweig dargestellt.

Brauchtum: Die Silvesternacht zählt wie die Heilige Nacht und die Dreikönigsnacht zu den zwölf Raunächten, in denen nach altem Volksglauben böse Geister und Dämonen ihr Unwesen treiben. Diese versuchte man schon immer mit viel Lärm, Leuchtraketen und Feuerwerk zu vertreiben, um so Unheil im neuen Jahr abzuhalten, ein Brauch, der auch in unserer aufgeklärten Zeit die Menschen immer wieder fasziniert. Und auch diese Vorstellung verbinden viele mit der Silvesternacht, die ja eine wichtige Losnacht ist: In der Nacht an der Jahreswende soll ein Blick in die Zukunft möglich sein. Dabei bedient man sich diverser Hilfsmittel, die in den Bereich reinen Aberglaubens gehören, denken wir nur an Horoskope oder Bleigießen. Die Silvesternacht ist eben voller Geheimnisse.

Regel: Wind in der Silvesternacht hat nie Wein und Brot gebracht.

Dr. Albert Bichler

Aus dem Buch von Albert Bichler »Freunde im Himmel«, mit bayerischen Heiligen durchs Jahr. Fotos von Wilfried Bahnmüller.



53/2010