Jahrgang 2006 Nummer 13

Sie waren besser als ihr Ruf

Die Panduren: Im Frieden Polizei, im Krieg eine Elitetruppe

Plünderung im Krieg. Kupferstich von R. Meyer.

Plünderung im Krieg. Kupferstich von R. Meyer.
Ein Pandur hoch zu Roß.

Ein Pandur hoch zu Roß.
In vielen Orten des Chiemgaus ist bis heute noch die Erinnerung an die Besetzung des Landes durch die österreichischen Truppen im 18. Jahrhundert in Erinnerung geblieben, bei der sich vor allem die ungarischen Panduren durch schreckliche Gewaltakte hervorgetan haben. Wo immer sie auftauchten, verbreiteten sie Furcht und Schrecken, peinigten die Bevölkerung, um sie zur Herausgabe von Geld und Nahrungsmitteln zu zwingen, holten den Bauern oft die letzte Kuh aus dem Stall und steckten die Häuser in Brand, wenn sie auf Widerstand stießen.

Besonders bekannt wurde die Geschichte von dem Pandurenhauptmann Hottawa, der in der Gegend um Pittenhart sein Unwesen trieb und dessen Geist auch nach seinem Tode die Bevölkerung nicht in Ruhe ließ. Auch die Schimpfwörter Krowott (Kroate), Schlawiner (Slowene) und Schlawak (Slowake) gehen auf die Pandurenzeit zurück.

Erstmals tauchten die Panduren im Spanischen Erbfolgekrieg (1700-1713) in Bayern auf, als österreichische Truppen weite Gebiete in Oberbayern und Niederbayern besetzten und sich im kaiserlichen Heer auch ungarische Soldaten befanden. Wenige Jahrzehnte später zog dann im Österreichischen Erbfolgekrieg (1741-1748) erneut ein österreichisch-ungarisches Heer in Bayern ein. »Unser armes Bayernland ist damals durch die Panduren und Kroaten aufs ärgste verwüstet worden«, heißt es in einem alten Geschichtsbuch. Das Wort »Pandur« stammt nicht aus der ungarischen, sondern aus der türkischen Sprache und wurde erstmals zu Beginn des 17. Jahrhunderts gebraucht, als weite Teile Ungarns von den Türken besetzt waren. Damals standen auch serbische und kroatische Soldaten im Dienst der osmanischen Besatzungsarmee.

Professor Sandor Györi-Nagy, der Inhaber des Lehrstuhls für Kulturwissenschaften an der St. Stefans-Universität in Gödöllö, hat sich eingehend mit der Geschichte der Panduren befasst und bei einem Besuch beim Landvolkstheater in Halsbach über seine Forschungen berichtet. »Die Panduren waren in Wirklichkeit besser als ihr Ruf, ihr schlechtes Image beruht auf dem einseitigen Urteil aus dem Blickwinkel der vom Krieg geplagten Landbevölkerung«, stellte er fest.

Ursprünglich bezeichnete man als Panduren in Ungarn die Verwaltungsangestellten, die Gefängniswärter und die Stadtvertreter, also die Angehörigen einer städtischen Mittelschicht. Als Ungarn unter österreichische Herrschaft kam, wurde die Bezeichnung Pandur auch auf die Hilfskräfte der Polizei ausgedehnt, die junge Bauernsöhne zum Dienst im Heer zwangen. Meist fingen sie die Burschen mit einem Seil bei der Feldarbeit ein und schleppten sie einfach mit sich. Außerdem hatten sie die Aufgabe, in den Dörfern versteckte Fahnenflüchtige und Militärdienstverweigerer aufzuspüren und sie an Ort und Stelle aufzuhängen oder zu erschießen. Verständlich, dass die Panduren bei der ungarischen Bevölkerung gefürchtet waren.

Die Panduren gehörten immer zum Fußvolk, nie zur Reiterei. »Ihr Moralkodex gebot ihnen, die Waffe nur gegen Soldaten, aber nie gegen die Zivilbevölkerung zu richten«, erläuterte Professor Györi-Nagy. Wenn sich ihre stets adeligen Befehlshaber etwas zuschulden kommen ließen, wurden sie dafür doppelt so schwer bestraft wie der gewöhnliche Soldat. Ihre Uniform war von grauer Farbe mit einem roten oder gelben Kapuzenmantel. Ihr Kennzeichen bildete neben den Pluderhosen der doppelseitige Dolch und eine lange Tabakspfeife, die im Stiefelschaft steckte.

Natürlich fällt das Urteil über die Panduren unterschiedlich aus, je nachdem, ob man sie aus der Sicht der ungarischen Obrigkeit betrachtet. Zudem hat es jeder Krieg an sich, dass er den Menschen verändert, extreme Situationen bleiben nie ohne Einfluss auf den menschlichen Charakter. Hunger und Krankheit während und nach der »Pandurenzeit« werden darüberhinaus die Erinnerung an die Panduren mitbestimmt und zu ihrem negativen Image beigetragen haben.

Der bekannteste Pandurenführer war der aus Slowenien stammende Freiherr Franz von der Trenck. Er erhielt zu Beginn des Österreichischen Erbfolgekriegs von Kaiserin Maria Theresia die Erlaubnis, eine Kompanie von eintausend Panduren auf eigene Kosten auszurüsten und nach Schlesien zu führen. Jedem Straffälligen, der sich dazu meldete, wurde Generalpardon (Amnestie) gewährt. Bald wurde die Zahl auf fünftausend erhöht. Diese Pandurentruppe bildete fortan die Vorhut der Armee und zeichnete sich ebenso sehr durch Tapferkeit wie durch Grausamkeit aus. Später wurde Trenck wegen verschiedener ihm zur Last gelegter Vergehen vor Gericht gestellt und zu lebenslanger Haft auf dem Spielberg bei Brünn verurteilt.

Julius Bittmann



13/2006