Jahrgang 2005 Nummer 39

Seit zwei Jahrzehnten eine feste Verbindung

Vor 20 Jahren wurde die Städtepartnerschaft zwischen Traunstein und Wesseling geschlossen

Unterzeichnung der Städtepartnerschaftsurkunden am 21.09.1984 in Wesseling durch Traunsteins OB Rudolf Wamsler, Bürgermeister Al

Unterzeichnung der Städtepartnerschaftsurkunden am 21.09.1984 in Wesseling durch Traunsteins OB Rudolf Wamsler, Bürgermeister Alfons Müller und Stadtdirektor Reinhard Konda (v.r.)
Im vergangenen Jahr unterzeichneten Traunsteins Oberbürgermeister Fritz Stahl und Wesselings Bürgermeister Günter Ditgens eine U

Im vergangenen Jahr unterzeichneten Traunsteins Oberbürgermeister Fritz Stahl und Wesselings Bürgermeister Günter Ditgens eine Urkunde, um die 20-jährige Städtepartnerschaft zu bekräftigen.
Am 21. September 1984 unterzeichneten Oberbürgermeister Rudolf Wamsler sowie Bürgermeister Alfons Müller und Stadtdirektor Reinhard Konda in Wesseling die Urkunden, mit der die Städtepartnerschaft der Kommunen an Rhein und Traun offiziell besiegelt wurde. Ein Jahr später - am 10. August 1985 – wurde dieser Schritt mit einer öffentlichen Proklamation der Städtepartnerschaft in Traunstein bekräftigt. Damit wurde der Grundstein für eine lange, nunmehr 20 Jahre andauernde Städtefreundschaft gelegt, deren gemeinsa-mes Ziel es ist, dass sich die Bürger beider Städte im Geiste aufrichtiger Freundschaft begegnen, kennen und verstehen lernen. Mit der Unterzeichnung der Urkunden versprachen Rudolf Wamsler, Alfons Müller und Reinhard Konda, sie werden dafür eintreten, dass in allen Lebensbereichen, vor allem auf kulturellem, gesellschaftlichem, wirtschaftlichem, sportlichem und touristischem Gebiet, die Begegnung und der Gedankenaustausch zwischen den Menschen in den Städten gefördert und vertieft werden.

Inzwischen sind 20 Jahre vergangen, die wiederum Anlass zum Feiern geben. Im letzten Jahr ist dies bereits in Wesseling geschehen. Zur Eröffnung der Gewerbeausstellung »Truna 2005« kommen Vertreter und Bürger beider Kommunen in Traunstein zusammen, um dieses Ereignis in Traunstein gebührend zu feiern. Aus diesem Anlass soll ein kurzer Rückblick die wichtigsten Stationen und Ereig-nisse nochmals in Erinnerung rufen, wobei diese Rückschau keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, sondern die vielfältigen Aktivitäten anhand einiger herausragender Beispiele aufzeigen soll und kann.

»Die Städtepartnerschaft zwischen Wesseling und Traunstein ist keine Erfindung der Kommunalpolitiker gewesen, sondern sie ist aus der Bevölkerung als Wunsch an die Räte der beiden Städte herangetragen worden«, stellte Traunsteins Oberbürgermeister Fritz Stahl 1995 beim Festakt im Traunsteiner Kulturzentrum fest, mit dem das 10. Jubiläum der freund-schaftlichen Verbindung gefeiert wurde. Dem kann man nur beipflichten, denn bereits im November 1963 legte der Wesselinger Männergesangsverein 1844 mit seinem 1. Vorsitzenden Theo Engels und seinem Chorleiter Theo Breuer den Grundstein für die Städteverbindung, als er am 4. Österreichischen Bundessängerfest in Salzburg teilnahm, anschließend Erholungstage in Traunstein einlegte und vor der Kriegergedächtniskirche ein Standkonzert veranstaltete. In den Folgejahren wurden enge Beziehungen zum Hochberger Trachtenverein, der Musikkapelle Otting und dem Chiemgau-Chor geknüpft und gepflegt. Erinnert sei in dieser Stelle auch an Willi Späth und Robert Latzel, die auf Traunsteiner und Wesselinger Seite die Verbindung aufgebaut, erhalten und gefördert und damit ebenfalls ei-nen Beitrag dafür geleistet haben, dass die Beziehungen zwischen Traunstein und Wesseling aus einer ersten und zufälligen Begegnung heraus sich als dauerhafte und feste Verbindung entwickelten.

Seit den 70er Jahren gab es auch Kontakte zwischen den Stadträten von Traunstein und Wesseling. Im Jahr 1974 weilte zum Beispiel eine Delegation des Traunsteiner Stadtrates in Wesseling, um für die Stadt als Fremdenverkehrsort zu werben. Eine Wesselinger Delegation war wiederum bei der Einweihung des neuen Feuerwehrhauses in Traunstein zu Gast. Die jahrzehntelangen Kontakte und Be-kanntschaften, aus denen viele persönliche Freundschaften entstanden, und nicht zuletzt eine richtige Bürgerinitiative, die sogar Unterschriftslisten als Dokument echten Bürgerwillens auslegte, waren der Anlass für Oberbürgermeister Rudolf Wamsler, Bürgermeister Alfons Müller und Stadtdirektor Reinhard Konda, 1984 eine offizielle Städtepartnerschaft einzugehen, die eine Vielzahl von Begegnungen und Aktivitäten einleitete. Traunstein sei für die etlichen Menschen vom Rhein fast eine zweite Heimat geworden, meinte daher nicht zu unrecht Bürgermeister Alfons Müller, als das 10. Jubiläum gefeiert wurde.

Kultureller Austausch

»Partnerschaft nun auch künstlerisch«, titelte das »Traunsteiner Wochenblatt« am 26. August 1988, als neun Künstler aus Wesseling ihre Werke im Traunsteiner Kulturzentrum zeigten. Es war eine interessante Präsentation von Gemälden und Plastiken der Maler Rüdiger Bergmann, Hans Geulig, Thomas Hillenbrand, Marianne Müller-Sachs, Georg Rotter, Anton Scholtes, Petra und Otto Scholtes sowie des Bildhauers und Kunstschmieds Paul Nagel. Zwei Jahre zuvor war allerdings der Kunstmaler Angerer der Jüngere schon mit einer Präsentation in Wesseling vertreten. Im Jahr 1990 stellte dann Sepp Binder seine Werke in Wesseling aus. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Städtefreundschaft präsentierte der Traunsteiner Künstler Georg Winter 1994 seine Arbeiten unter dem Titel »Aquarelle – in Farben schwelgen« in Wesseling. Aufmerksamkeit erregte ebenfalls die Ausstellung »Augen-Blicke« der Wesselinger Künstlerinnen Rosy Pohlmann und Rosemarie Peter, die im Jahr darauf – ebenfalls zum 10. Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Traunstein und Wesseling - im Traunsteiner Kulturzentrum stattfand. Rosy Pohlmann zeigte Aquarelle, Rosemarie Peter stellte Skulpturen in Bronze aus. Unter dem Titel »Aquarelle« konnten die Wesselinger Aquarelle, Ölbilder und Grafikmappen von Angerer dem Jüngeren im März 1996 in der Städtischen Galerie der Partner-stadt betrachten. Im letzten Jahr zeigte die Neu-Traunsteinerin und Bildhauerin Elke Kreßner bei einer Ausstellung mit Künstlern aus den Partnerstädten Leuna und Pontivy anlässlich der 20-Jahr-Feier in Wesseling eine Auswahl ihrer Skulpturen aus Speckstein. Den Schwerpunkt der Arbeiten des Traunsteiner Fotografen Ulli Peters bildeten beeindruckende Architekturaufnahmen des Olympiaparks in München sowie schöne Landschafts- und Naturaufnahmen. Der Holz- und Steinbildhauer Franz Prinke stellte kleine Holzskulpturen aus. Als weithin sichtbares Zeichen der 20-jährigen Partnerschaft mit Traunstein wurde auf der Verkehrsinsel eines Kreisverkehrs eine 3,20 Meter hohe Holzstele von Franz Prinke enthüllt.

Sport, Karneval und Wirtschaft

Die Idee, die Partnerschaft auf sportlichem Gebiet zu fördern, hatte als erster der Ausdauer-Sportverein Wesseling. Im Jahr 1988 startete der ASV eine Radtour in das rund 800 Kilometer weit entfernte Traunstein, die mit einem Treffen Gleichgesinnter in der Chiemgau-Metropole verbunden war. Dabei wurde gleich der Gegenbesuch der Breitensportgruppe des Radsportvereins Traunstein vereinbart, die im Mai 1989, begleitet vom RSV-Vorsitzenden Hans Reithmayer und Sportreferent Uwe Steinmetz, zu einer Radfernfahrt an den Rhein aufbrach und – so war es im Traunsteiner Wochenblatt zu lesen – mit großen Remmidemmi auf dem Wesselinger Rathausplatz empfangen wurde. Im Jahr 1996 trafen die Freizeitkicker der Fußballmannschaft des »Angerbauerhofs« und der Betriebsmannschaft der DEA-Mineralölraffinerie Wesseling auf dem Schulsportplatz in Haslach zum freundschaftlichen Kräftemessen aufeinander. Mit einer knappen 1:2-Niederlage schickten die Traunsteiner ihre Kontrahenten zurück an den Rhein. Für die Traunsteiner war es ein respektables Ergebnis, da die Raffinerie über drei Betriebsmannschaften verfügte, die bei Benefizspielen für körperbehinderte Menschen gegen renommierte Mannschaften wie Bayer Leverkusen oder Borussia Dortmund spielten. Nicht verschwiegen werden soll, dass die Rheinländer bei ihrem Auftritt etwas »oktoberfestgeschädigt« waren. Zwei Jahre zuvor hatte es beim Hinspiel in Wesseling nämlich noch eine saftige Niederlage für die Traunsteiner gegeben. Der Berichterstatter des Traunsteiner Wochenblattes musste damals dem Manager der Kicker von »Angerbauerhof«, Martin Becker, versprechen, über deren Höhe Stillschweigen zu bewahren.

In den letzten beiden Jahren sind sich die Partnerstädte auch in Sachen Karneval bzw. Fasching näher gekommen. Im vergangenen Jahr nahm die Veitsgroma Zunft auf Einladung der »Köbesgarde« zum ersten Mal am Faschings-, pardon Karnevalszug, in Wesseling teil. Ein sowohl unvergessliches als auch weitgehend schlafloses Erlebnis, wenn man den Aussagen der Beteiligten auf Traunsteiner Seite Glauben schenken darf. Für rheinische Karnevalsstimmung beim Traunsteiner Stadtfest sorgten im letzten Jahr die Musikanten der Wesselinger Stadtgarde, heuer trat die fesche Garde der »löstigen Postillione« auf. Weitere Verbindungen in Sachen Humor wurden von den Präsidenten »Jusch« Engels und Roman Winkler für die Zukunft vereinbart.

Auch wirtschaftlich wurden die Beziehungen gepflegt. Mehrfach präsentierte sich die Stadt Traunstein beispielsweise auf der Ausstellung »Lebendiges Rheinland«. Im Gegenzug ist das Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaftsförderung alle zwei Jahre mit einem Informationsstand bei der Gewerbeausstellung »Truna« vertreten.

Würdigung des Europagedankens

Für ein Europa der Bürger leisten Städtepartnerschaften Vorbildliches. Das hat auch der Europarat in Straßburg erkannt. Neben Wesseling pflegt Traunstein freundschaftliche Bezie-hungen mit Gap/Frankreich, Pinerolo/Italien und Haywards Heath/Großbritannien, Wesseling hat mit Pontivy/Frankreich, West Devon/Großbritannien und Leuna partnerschaftliche Bande geknüpft. Gewürdigt hat der Europarat diese Bemühungen um die Völkerverständigung mit der Verleihung der Ehrenfahne des Europarates. Wesseling erhielt diese hohe Auszeichnung 1995 und Traunstein ein Jahr später. Für ihre Verdienste und ihren unermüdlichen Einsatz um das Wachsen und Gedeihen der Freundschaft zwischen Traunstein und Wesseling wurden 1994 Altoberbürgermeister Rudolf Wamsler, Oberbürgermeister Fritz Stahl und der Vorsitzende des Wesselinger Männergesangsvereins, Theo Engels, mit der Kulturplakette der Stadt Wesseling ausgezeichnet. Ohne Theo Engels, der wohl der stärkste Motor auf Wesselinger Seite sei, wäre das Jubiläum in diesem Rahmen kaum denkbar, stellte damals Bürgermeister Alfons Müller bei der Übergabe der Plakette anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Partnerschaft treffend fest. Anlässlich seiner Verabschiedung als Stadtdirektor wurde Reinhard Konda 1998 mit dem Ehrenring der Stadt Wesseling ausgezeichnet. Damit würden nicht nur seine großen Verdienste, die er sich um die Wirtschaftsförderung, die Kulturförderung und die Stadtentwicklung in Wesseling erworben habe, sondern auch sein Eintreten für die Städtepartnerschaften mit Traunstein, Pontivy, West Devon und Leuna gewürdigt, betonte Bürgermeister Rüdiger Kibilka bei der Verleihung ausdrücklich. Kurz vor seiner Versetzung in den wohlverdienten Ruhestand stattete Bürgermeister Alfons Müller seinen Freunden in der Partnerstadt Traunstein einen Abschiedsbesuch ab. Oberbürgermeister Fritz Stahl würdigte dabei Müllers tatkräftige kommunalpolitische Arbeit ebenso wie dessen Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter. Weiter erinnerte Stahl an die Gründerzeit der Städtepartnerschaft, die vor allem aus kulturellen Beziehungen entstanden sei. Im November 1994 ging Alfons Müller in den Ruhestand. Die Stadt Wesseling würdigte sein Wirken, indem sie ihn zum Ehrenbürger ernannte und ihm den Titel »Altbürgermeister« verlieh.

Als äußeres Zeichen dieser Partnerschaft wurden in beiden Städten Straßen nach der jeweiligen Partnerstadt benannt. Seit 1993 gibt es am Traunsteiner Stadtpark eine Wesselingstraße. Traunsteins Oberbürgermeister Fritz Stahl sagte bei diesem Ereignis, Straßen und Wege seien vonnöten, wenn Verbindungen entstehen und gepflegt werden sollen. Es sei ein Glücksfall für Traunstein, dass im Zentrum der Stadt die Namen der drei Partnerstädte Gap, Pinerolo und Wesseling einen Park umschließen und ein »europäisches Zentrum« bilden, die der Öffentlichkeit zeigten, dass Städ-tefreundschaften zu Fest- und Alltagen gehören. Seit 1998 gibt es eine Traunsteiner Straße in Wesseling. Im Rahmen der Verabschiedung von Stadtdirektor Reinhard Konda und der Amtseinführung von Bürgermeister Rüdiger Kibilka wurde das Straßenschild im Beisein von Oberbürgermeister Fritz Stahl enthüllt.

Eine Partnerschaft lebe vor allem durch den Jugendaustausch, erklärte Bürgermeister Günter Ditgens bei den Feierlichkeiten im vergangenen Juli. Deshalb wurde im letzten Jahr erstmals ein Treffen von Jugendlichen aus allen Wesselinger Partnerstädten mit großem Erfolg ausgerichtet, so dass für die Zukunft eine Fortführung geplant ist. Ein vereintes Europa müsse durch ein dichtes Netz persönlicher Bindungen und Begegnungen aller Art von unten wachsen. Die Partnerschaften zwischen Wesseling und Traunstein und wiederum mit deren Partnerstädten leisteten dafür einen wichtigen und wertvollen Beitrag. Gemeinsames Ziel aller müsse es sein, so Günter Ditgens weiter, es den Bürgerinnen und Bürgern auch weiterhin zu ermöglichen, in persönlichen Treffen möglichst viel von einander zu erfahren.

GB



39/2005