Jahrgang 2009 Nummer 15

Seit dem 17. Jahrhundert sucht man das Osterei

Ei und Hase galten als Sinnbild des Wachstums und der Fruchtbarkeit

Wenn die Kinder sich am Ostersonntag auf die Suche nach den bunten Eiern machen, setzen sie eine lange Tradition fort: Seit dem 17. Jahrhundert werden Ostereier gesucht. Aus dem Jahr 1601 stammt der erste Bericht über das Verschenken verzierter Ostereier. Seinerzeit überreichten die Lehrer im Rheingau ihren Schülern gefärbte oder buntbemalte Eier. Die Legende vom eierlegenden Hasen fand später allgemeine Verbreitung.

Das wohl älteste Zeugnis für die vom Hasen gebrachten Ostereier stammt aus Heidelberg. Dort schrieb der Mediziner Georg Franck gegen Ende des 17. Jahrhunderts in seinen »Satyrae medicae«: »In Südwestdeutschland, in unserer heimatlichen Pfalz, im Elsass wie auch in Westfalen heißen solche Ostereier die Haseneier. Man macht einfältigeren Leuten und kleinen Kindern weis, diese Eier brüte der Osterhase aus und verstecke sie im Garten im Gras, im Gebüsch und so weiter, man will sie von den Buben um so eifriger suchen lassen zum erheiternden Gelächter der Älteren.« Fortan bauten die Kinder mit großem Fleiß »Hasenwagen«, Moosschlitten« und »Ostergärtchen«, um dem Eierbringer einen geeigneten Platz zur Ablage der ersehnten Ostergaben anbieten zu können.

Vor dieser Zeit brachten in vielen Regionen andere Tiere die österlichen Eier: In Thüringen war es der Storch, in Sachsen und Holstein der Hahn, in weiten Teilen Hessens der Fuchs, im Raum Fulda der Palmesel und in der Schweiz der Kuckuck. Anderswo waren es Ostervogel, Himmelshenne, Kranich oder Auerhahn, die die Eier weitergaben. Ob der Hase letztlich das Rennen gewann, weil er am häufigsten vorkam und als besonders fruchtbar galt, lässt sich kaum ermitteln. Als Frühlingsbote ist seine Geschichte bis in die Mythologie zurückzuverfolgen. Der Hase ist das Tier der griechischen Liebesgöttin Aphrodite und der Begleiter der germanischen Erdgöttin Holda. Ihr soll er auf ihren nächtlichen Umzügen mit Kerzen vorangeleuchtet haben.

In den Sagen der Germanen tauchten zum erstenmal Hase und Eier gemeinsam auf. Damals waren sie noch Opfergaben: Beide, die ersten Märzhasen und bunt bemalte Eier, wurden der Frühlingsgöttin dargebracht. So galten das Ei und der Hase seit altersher als Sinnbilder des Wachstums und der Fruchtbarkeit.

In späteren Zeiten – Belege dafür finden sich vom 16. Jahrhundert an – waren sowohl Eier als auch Hasen als Zinsgaben an die Grundherren zu entrichten. Auch ihren Weg in die Kirchen fanden die beiden alten Symbole der Fruchtbarkeit gemeinsam, indem Eier und Hasen an Ostern zu Weihe in die Kirche gebracht und anschließend verzehrt wurden.

Auch bei den so genannten Gebildbroten taucht der Hase auf – oft mit einem eingebackenen Osterei verziert. Neben gebackenen Osterhennen und Ostertörtchen, einer Osterente oder auch einem Osterwolf, war der gebackene Osterhase als Dienstboten- oder Patengeschenk vertreten.

Heike Michel



15/2009