Jahrgang 2006 Nummer 33

Seit 560 Jahren Liebfrauenkirche zu Inzell-Niederachen

Sie ist 50 Jahre älter als angenommen

»Die Frauenkirche zu Inzell-Niederachen, links der alte Pfarrhof, rechts der Gasthof »Beim Neimoar«. Die Aufnahme dürfte vor 195

»Die Frauenkirche zu Inzell-Niederachen, links der alte Pfarrhof, rechts der Gasthof »Beim Neimoar«. Die Aufnahme dürfte vor 1954 sein«.
»Schloss Inzell«, Kupferstich von Michael Wening, um 1700

»Schloss Inzell«, Kupferstich von Michael Wening, um 1700
»Die Pfarrkirche zu Inzell«

»Die Pfarrkirche zu Inzell«
Als erste Einweihung einer Kirche in Inzell-Niederachen wurde immer das Jahr 1496 angegeben, sodass 1996 die 500 Jahrfeier angestanden hätte. Im Kirchenführer, Chronik »800 Jahre Inzell« und auch sonst wird darauf hingewiesen, ohne dass dabei eine Quelle genannt ist. Im Frühjahr 1997 meinte dann unser Herr Pfarrer zu mir, haben wir die 500 Jahrfeier übersehen. Nach meiner Ansicht war es aber nicht sicher, ob die erste Kirche dort 1496 eingeweiht wurde. Meine Zweifeln begründete eine Urkunde aus dem Jahr 1446, 22. August, die in der Chronik Inzell, Seite 197, abgedruckt ist. »Johannes. Bischof von Hierapolis (Salzburg), verleiht der von ihm geweihten Kapelle zu Unserer Lieben Frau und St. Margarethen zu Inzell einen Ablaß.« Auf ein Schreiben an das Bayerische Hauptstaatsarchiv München wurde mir mitgeteilt, ein Einweihung 1496, 7. Juli, ist nicht vorhanden. Zu der Urkunde 1496, 21. November, (Chronik Inzell, Seite 196) folgendes: »Die vom Bischof Ludwig (Chiemsee) ausgestellte Urkunde enthält vielmehr einen Vergleich zwischen der »Nachbarschaft« der Kirche und dem Probst von St. Zeno über die Verwendung der Einnahmen der Kirche zur Stiftung einer täglichen Messe und eines ewigen Lichts. Da die früheste Stiftung an die Kirche zu Niederachen bereits aus dem Jahre 1449 stammt, muss die Kirche schon vor 1496 geweiht worden sein.« 1996 wäre somit die 550 Jahrfeier der ersten Einweihung fällig gewesen.

Inzell ist erstmals im Jahre 1177 erwähnt. Dort gibt Graf Konrad von Peilstein das Gut und den Wald Inzell, das er von Salzburg zu Lehen hatte mit der Bitte zurück, es dem 1136 gegründeten Kloster St. Zeno zu überlassen. Ein Schloss »Inzl«, wie es im Kupferstich von Michael Wening um 1700 dargestellt wird, gab es nicht. Das hier gemeinte Gebäude, neben der Frauenkirche, ist vielleicht etwas größer dargestellt. Es könnte jenes sein, das in der Gerichtsbeschreibung Traunsteins, vom Jahre 1693, so niedergeschrieben ist: »Inzell hat kain Schloß oder Süz, sondern allein zu Nidern Achen in den Hofmarcks gezürckh ainen gemauerten Stockh, der Stüffthof genannt, warin dermahlen ain Conventual (Klostergeistlicher) und Pfarr Vicarius wohnhafft.« Es kann auch nicht zutreffen wenn es heißt, Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106-1147), hat Schloß Inzell erbaut. Inzell ist erstmals 1177 genannt.

Es ist auch immer zu hören die älteste Kirche von Inzell sei jene zu Einsiedl. Luitpold vom Plain dürfte sie vor seinem Tode, um 1190, errichtet haben. Im Investiturstreit, der sich teils auch im 12. Jahrhundert hinzog, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Friedrich I., Barbarossa (1152-1190) und dem Erzbischof Konrad II. von Salzburg (1164-1168), der 1166 in Reichsacht verfiel. In der Nacht vom 4. zum 5. April 1167 fiel die Stadt Salzburg mit Dom und allen Kirchen einen verheerenden Brand zum Opfer, den die Grafen von Plain, als Parteigänger des Kaisers, gelegt haben. Auch mit dem nachfolgenden Erzbischof Adalbert III. (1168-1177 und 1183-1200) kam es nicht zur Einigung. Diese erfolgte 1177 im Frieden von Venedig, den Papst Alexander III. und Kaiser Barbarossa schlossen. Adalbert III. von Salzburg wurde abgesetzt und der Kardinal Konrad von Wittelsbach wird sein Nachfolger (1177-1183), als Konrad III. von Salzburg. Er ist auch Erzbischof von Mainz Konrad I. (1161-1165 und 1183-1200). Nach der Wiedereinsetzung Adalbert III., 1183, dürfte Graf Luitpold von Plain, als Hauptanstifter des Brandes von Salzburg, 1167, in die Einsiedelei nach Inzell verbannt worden sein. Er errichtete dort eine kleine Kapelle, die der Erzbischof Eberhard II. von Salzburg, im Jahre 1212, einweihte.

In Inzell selbst stand zu dieser Zeit ebenfalls schon eine Kapelle. Sie ist erwähnt im Jahre 1191, als das Gebiet Inzell von der Pfarrei Vachendorf getrennt und zur Betreuung dem Kloster St. Zeno übertragen wird. Diese Urkunde wurde übersetzt vom H. H. Dr. Hufnagel München, Studienfreund des 1991 verstorbenen Hausgeistlichen im Schwesternheim St. Vinzenz Inzell-Niederachen Franz Guggenberger, früher Pfarrer von Palling bei Traunstein. Dort ist unter anderem aufgeführt: »Darauf übertragen wir das Allod (Eigengut), das Incella genannt wird, mit allen festgehaltenen Grenzen, bebauten und noch zubebauenden Gütern, sowie die Kapelle, die mit Eueren Aufwendungen am eben diesen Ort erbaut worden ist, mit allen Zehentrechten und allen Übrigen. Und so übergeben wir dem allmächtigen Gott, dem hl. Zeno und den obgenannten Brüdern, auf Bitten und mit Zustimmung des Propstes, der Großen der Kirche samt dem Kapitel des Chores dies alles, wie sie die Pfarrei Vachendorf, in deren Bereich die Kapelle liegt, mit kanonischem Recht besessen hat. Zur Schadloshaltung der genannten Pfarrei haben Wir eine halbe Hube (Hof) im Gebiet Miesenbach, Girichbuhel genannt, von den vorhin genannten Brüdern erhalten und ordnen dies als rechtmäßigen Tausch zum Gebrauch der Mutterkirche ein. Wir gewähren deshalb den gegenwärtigen Propst Wichmann und allen seinen Nachfolgern, die kanonisch aufgestellt sind, die genannte Kapelle, die Wir von jeder Jurisdiktion und vom Gebiet der Mutterkirche befreien und für frei erklären. Das ist geschehen im Jahre der Geburt des Herrn 1191, 9. Indiktion, im 1. Jahr der sieg- und glorreichen Regierung Heinrich des Römischen Kaisers (Heinrich VI.).« Diese Urkunde gibt keinen Hinweis auf die Einweihung der Kapelle in Inzell.

Nach der Säkularisation 1803 wurden das Kloster St. Zeno und die Hofmark Inzell aufgelöst. Für die neue Pfarrei Inzell errichtete man in Niederachen 1811 einen Pfarrhof. Dieser wurde 1964 an den Orden der Barmherzigen Schwestern verkauft, welche anschließend daran ein Schwestern-erholungsheim erbauten. Der neue Pfarrhof ist im Ort, an der Adlgasserstraße errichtet worden. Der Friedhof von Inzell befand sich bis 1956 um die Pfarrkirche, der dann nach Niederachen bei der Frauenkirche verlegt wurde. Hier finden auch meistens die Seelengottesdienste bei Beerdigungen statt. Bei Trauungen wird sie ebenfalls gerne angenommen. Durch den Hausgeistlichen vom Schwesternheim wird täglich eine Messe gehalten. Die Betreuung und Ausschmückung des Kircheninneren besorgen die Schwestern, zur Zeit Sr. Severina.

Das Geschichtliche von Inzell wurde nicht immer richtig wiedergegeben. Unverständlich ist warum dies, bei der Herausgabe der Chronik, 1970, durch die Gemeinde nicht berücksichtigt wurde. Dort abgedruckte Urkunden sind scheinbar noch kein Beweis.

Siegfried Moll


Benützte Quellen und Literaturen: Chronik, 800 Jahre Inzell, herausgegeben von der Gemeinde Inzell 1970. Kunstführer/Kirchenführer von Inzell 1954/1972. Bayerische Geschichte und Kunst Band 1, der Abschnitt, Die Wittelsbacher und das Erzstift Salzburg, von Heinz Dopsch, München 1980. Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 26 Traunstein, bearbeitet von Richard van Dülmen, München 1970. Monumenta Boica, die gedruckten Klosterurkunden von Bayern, hier Band 3, St. Zeno Reichenhall, Nr. 16 (1177) und Nr. 18 (1191).



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