Jahrgang 2021 Nummer 12

Salinenkapelle St. Anna 1618-1953

335 Jahre lang stand die Salinenkapelle im Ortskern von Weißbach

Salinenkapelle mit Pumphaus Grub, Bichlerturm und Bichlerbauer.
Salinenkapelle mit Pumphaus Grub, Bichlerturm und Bichlerbauer.
Barockaltar St. Anna.
St. Anna geschmückt bei Einweihung der St.-Vinzenz-Kirche.
Feldgottesdienst hinter der St.-Anna-Kapelle. (Bilder/Repros: Werner Bauregger)

Zwischen 1616 und 1619 ließ Herzog Maximilian eine Soleleitung aus Holzrohren, sogenannten Deicheln, von Reichenhall zu einer neu erbauten Saline in Traunstein bauen. Notwendig wurde dies, weil die Holzvorräte in den Wäldern rund um Reichenhall immer knapper wurden. Geplant war, die 250 Meter Höhenunterschied zwischen Reichenhall und Weißbach über sechs Pumpwerke zu überwinden. Das siebte (Pumphaus Grub) und der Bichlerturm in der Ortsmitte wurden notwendig, weil beim Probebetrieb im Jahre 1619 die Rohre an dieser Stelle dem Druck nicht standhielten und die Leitung platzte.

Zwischen 1616 und 1618 entstand gegenüber des Brunnhauses Grub, unter Federführung des Hauptsalzamtes Reichenhall, eine Kapelle für die Salinenarbeiter, die der Mutter Marias – der Heiligen Anna geweiht wurde. Vergrößert wurde sie 1638 durch den Anbau einer Sakristei. Zwei Glocken (Stimmung E und Es) aus der Glockengießerei Andreas Gartner (Salzburg) komplettierten die Ausstattung des kleinen Gotteshauses ab 1707. Die kleinere, in Es gestimmte Glocke wurde im Winter 1929 durch einen Sprung unbrauchbar. Die größere wurde nach Abriss der Kapelle im Jahr 1953 im Turm der neuen St. Vinzenz-Kirche aufbewahrt und läutet sei 2007 in der neu aufgebauten St. GeorgsKapelle am Jochberg. Den Altarraum füllte ein wunderschöner Barockaltar, geschützt durch ein hohes, geschmiedetes Eisengitter. Eine Orgel fehlte allerdings. Die Kirche besaß ansonsten kein weiteres Vermögen.

Bis zum Bau der Kapelle mussten die Weißbacher-, Jochberger-, und Höllenbacher-»Untertanen«, im Sommer wie im Winter, zur Messfeier nach Inzell in die dortige Pfarrkirche St. Michael gehen. Zumindest am Patroziniumstag oder an Weihnachten zelebrierten Hilfspriester aus Inzell, sofern welche verfügbar waren eine in der St.-Anna-Kapelle. Erst als am 4. Februar 1897 der Unterricht im neu erbauten Weißbacher Schulhaus aufgenommen werden konnte, kehrte mit der Feier von Früh- und Schulmessen eine gewisse Regelmäßigkeit ein.

In den Vorkriegsjahren des Zweiten Weltkrieges und während der Kriegsjahre sind erstmals regelmäßige Sonntagsgottesdienste erwähnt. Die Seelsorgearbeit leisteten zu dieser Zeit aushilfsweise Karmeliter Patres aus der Pfarrei St. Ägidi in Bad Reichenhall. Nach den Gottesdiensten erhielten die Berufsschüler Unterricht über die Christenlehre. Aus einer Aktennotiz geht hervor, dass am 3. Mai 1945, zwei Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieg, Aliierte Soldaten mutwillig in den Beichtstuhl und durch einen Kelch geschossen haben. Erst nach dem Krieg übernahm die Pfarrei Inzell die Pastoralarbeit in Weißbach a.d.A. gänzlich.

Das Ende der St.-Anna-Kapelle wurde bereits im Jahr 1938 eingeläutet als der Inzeller Kooperator und spätere Pfarrer, Josef Neumeyer, mit dem Ordinariat Pläne zum Bau einer neuen Kirche schmiedete. Die Gründe dafür waren wohl die Nähe zur unmittelbar vorbeiführenden, 1933 neu gebauten Deutschen Alpenstraße, die räumlich beengten Verhältnisse und der schlechte Bauzustand. Umgesetzt wurde der Bau der neuen, dem Heiligen Vinzenz geweihten Kirche unter Pfarrer Johannes Oberbauer zwischen 1947 und 1950. Ursprünglich gab es verschiedene Pläne zur Erhaltung der St.-Anna-Kapelle, doch wurden diese allesamt verworfen. 335 Jahre lang stand die Salinenkapelle im Ortskern von Weißbach. Sie hatte viele Kriege nahezu unbeschadet überstanden, Freud und Leid mit den Ortseinwohnern geteilt und musste schließlich doch im Jahr 1953 endgültig weichen. Hatte sich der Bau 1616 noch über drei Jahre hingezogen, so war beim Abbruch nach sieben Tagen nichts mehr vom einstigen Kleinod zu sehen.

Bereits ein Jahr zuvor hatte der neue Abt von Ettal, Johannes Höck aus Inzell, den wunderschönen Barockaltar zum Preis von 5000,– DM für das dortige Kloster gekauft. Die heiligen Reliquien der betagten Salinenkapelle wurden bei der Einweihung des neuen Gotteshauses St. Vinzenz in das dortige Altargrab umgebettet. Neben den Reliquien erinnern nur noch drei Ölgemälde, einige geschnitzte Heiligenfiguren und eine »Albert-Magnus-Tafel« in der neuen Kirche an den verschwundenen Kirchenbau.

 

Werner Bauregger

 

12/2021

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