Jahrgang 2006 Nummer 15

Ostern - Fest alter Mythen und Symbole

Nach 40-tägiger Fastenzeit kehrt wieder Lebenslust bei den Menschen ein

Das Osterfest spielt im Brauchtum Mitteleuropas eine zentrale Rolle und hat in den katholischen Ländern eine besondere Bedeutung. Nach der Karwoche wird Ostern als das Fest der Auferstehung Jesu gefeiert, dem Sieg des Lebens über den Tod. Diese tiefe Religiosität hat auch Wurzeln in vorchristlichen Frühlings-Ritualen zum Erwachen der Natur, der Sehnsucht nach dem Sonnenlicht und zahlreichen Symbolen von Fruchtbarkeit, zu denen auch die bunten Ostereier zählen.

Das Konzil von Nicäa legte im Jahr 325 fest, dass der Ostersonntag immer nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang liegt: frühestens am 22. März und spätestens am 25. April. Bis zum Jahr 1904 dauerte das Osterfest vier Tage, wurde auf drei Tage verkürzt und umfasst heute noch den Sonntag und Montag. Während der Begriff »Karwoche« auf das althochdeutsche Wort »chara« - Kummer, klagen, trauern - zurückgeht, hat das Wort »Ostern« wohl einen angelsächsischen Ursprung. Es leitet sich nach den meisten Quellen von »Ostara« oder »Eostre« ab, dem angelsächsischen Namen der teutonischen Göttin der Morgenröte, des Frühlings und der Fruchtbarkeit. Das beherrschende Sinnbild für Ostern ist, mehr noch als der Osterhase, das Osterei. Es gilt seit alters her als Symbol des Lebens, der Fruchtbarkeit und als Opfer- oder Liebesgabe. Die kirchliche Eierweihe ist schon im 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung nachweisbar. Funde in Worms brachten aus dieser Zeit bemalte Ostereier zu Tage. Im Mittelalter war Ostern der feste Zahlungstermin, an dem die Grundbesitzer Eier als Sachleistung für das gepachtete Land oder als Zinsen erhielten.

Erste Belege für den Osterhasen stammen aus dem Jahr 1678 von Georg Franck von Franckenau, einem Mediziner aus Heidelberg. Der Hase soll sich als Eierbringer vom Elsaß und der Pfalz in den anderen Landesteilen Deutschland etabliert haben. Die Ostereier wurden ihm zugeschrieben, da Hennen keine bunten und verzierten Eier legen konnten.

Die bäuerliche Tradition in Bayern spiegelt sich in zahlreichen Osterbräuchen in den verschiedenen Landesteilen. Im Oberland werden Frühlingsfeuer und Osterräder abgebrannt, in Oberfranken um Bayreuth und Pegnitz sind die Osterbäume mit farbigen Bändern, Girlanden und bunten Ostereiern zu Hause. Im bayerischen Wald wird am Ostermontag in Furth ein Osterritt zu Ehren des heiligen Leonhard abgehalten und in allen Landesteilen wird fleißig Ostergebäck gebacken: Passauer Osterbrot, Augsburger Ostergeigen, Allgäuer Schildbrot, Münchner Striezel, Nürnberger Männla und Bamberger Ostermandl. Nach den Wintermonaten und der 40-tägigen Fastenzeit waren mit dem meist frühlingshaft warmen Osterfest wieder Lebenslust und Freude in die Dorfgemeinschaften eingekehrt, Kälte, Entbehrungen und Dunkelheit überwunden.

Nikolaus Dominik



15/2006