Jahrgang 2006 Nummer 48

Nikolaus und Krampus als Vorboten des Christkinds

Der Nikolausbrauch geht auf zwei Legenden aus dem 4. und 6. Jahrhundert zurück

Mit dem traditionellen Nikolaus-Besuch am kommenden Dienstag, dem Vorabend des 6. Dezembers, beginnt für die meisten Kinder wieder das aufregende Warten aufs Christkind. Seit dem 19. Jahrhundert ist der Nikolaus neben dem Christbaum und dem Christkind Symbol für das christliche Fest am Jahresende. Der Besuch durch den als Bischof verkleideten Nikolaus geht auf das Mittelalter zurück. Damals zogen Klosterschüler im Bischofsornat singend von Haus zu Haus und baten um milde Gaben. Später wandelten sich diese Figuren zum Geschenkbringer für brave Kinder und zum Mahner für die »bösen Buben«.

Der Nikolausbrauch geht auf zwei miteinander verknüpfte Legenden aus dem 4. und 6. Jahrhundert zurück. Der frühe Nikolaus soll ein mildtätiger Bischof in Kleinasien gewesen sein, der spätere ein barmherziger Bischof gleichen Namens, der drei Mädchen rettete, die deren Vater in ein Freudenhaus verkaufen wollte. Nikolaus soll nachts jedem der Mädchen einen Goldklumpen heimlich durchs Fenster geworfen haben, damit sie sich - reich geworden - ehrbar verheiraten konnten. In einigen historischen Darstellungen wird deshalb der Heilige Nikolaus mit drei Goldklumpen auf seinem goldenen Buch gezeigt.

Die Reformation im 17. Jahrhundert schaffte das Nikolaus-Brauchtum ab. In einigen aufgeklärten Gebieten wurde er sogar verboten. Der Heilige verkam zur Karikatur, wurde lächerlich gemacht und zu einem senilen Mann abgestempelt. Die Bischofsmitra wurde durch eine Schlafhaube mit Pommel ersetzt, wie sie auch dem »deutschen Michel« aufgesetzt wurde. Diese rote mit weißem Pelz besetzte Mütze ist bis heute das Symbol des Weihnachtsmannes geblieben. Die Bezeichnung »Weihnachtsmann« hat Hoffmann von Fallersleben mit seinem Liedtext »Morgen kommt der Weihnachtsmann« aus dem Jahr 1835 eingeführt. Doch Aufklärung und Säkularisation konnten den Nikolausbrauch nicht dauerhaft verdrängen. Besonders in den katholischen Regionen kommt der Nikolaus bis heute zu den Kindern, oftmals begleitet vom Krampus oder dem Knecht Ruprecht. Diese einst schaurig anzuschauende Begleitperson des Heiligen mit Sack, Rute und Kette steht geschichtlich in Verbindung mit den heidnischen Perchten und volkskundlichen Strohschabmännern. Sie galten in zottigen Pelzen als Anführer des wilden Heeres der Toten und der »ungetauften Kinder«. Heute verkörpern sie nicht mehr die Furcht einflößende Macht des Bösen, sondern gelten als drollig liebe, weltliche Antipode zum Heiligen Nikolaus.

Wenig bekannt ist, dass der Nikolaus als Retter der Seeleute in Not gilt. Deshalb haben ihn die Flößerbruderschaften und Zillenschiffer auf Inn und Salzach zu ihrem Patron gemacht. Auf den Fahnen und Prozessionsstangen wird daher die Bischofsfigur gezeigt. Auf diese Beziehung geht ein inzwischen vergessener Brauch zurück, bei dem die Kinder am Vorabend des 6. Dezembers statt eines Schuhs für milde Gaben ein Papierschiffchen vor die Tür stellten.

Nikolaus Dominik



48/2006