Jahrgang 2008 Nummer 41

Münzen sind geprägte Geschichte

Eine Ausstellung in Leongang über achthundert Jahre Münzwesen im Erzstift Salzburg

Das Bergbaumuseum Leongang veranstaltet bis 31. Oktober eine Ausstellung mit Münzen aus dem Erzstift Salzburg, zu dem jahrhundertelang auch der Rupertiwinkel gehörte, bis er im Jahre 1816 zum Königreich Bayern kam. Die Münzen stammen von privaten und öffentlichen Leihgebern aus dem In- und Ausland und vermitteln einen lebendigen Überblick über achthundert Jahre Salzburger Münzgeschichte.

Für die Salzburger Erzbischöfe, die an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit zu den mächtigsten geistlichen Landesfürsten des Heiligen Römischen Reiches zählten, war ein eigenes Münzregal eine Prestigesache. Schon für das frühe 10. Jahrhundert lässt sich mit dem Denar des Bayernherzogs Arnulf eine Münzstätte in der Stadt Salzburg belegen. Im Jahre 996 wurde dem Salzburger Erzbischof Hartwich von Kaiser Otto III. das Recht verliehen, »Münzen nach dem Regensburger Fuß« zu schlagen. Interessant ist die Tatsache, dass seit der Mitte des 12. Jahrhunderts Salzburger Münzen auch in der Stadt Laufen geprägt wurden, ebenso in Friesach in Kärnten.

Ursprünglich befand sich die Salzburger Münze an verschiedenen Orten der Stadt. Im Jahre 1662 bezog sie einen neu errichteten Bau am linken Salzachufer in der heutigen Münzgasse zwischen Griesgasse und Bürgerspitalplatz. Die Prägung erfolgte nach der Hammer-Amboss-Methode mit einem frei geführten Oberstempel (=Rückseite der Münze) und einem in einen Block eingelassenen Unterseitenstempel (=Rückseite der Münze); durch einen Hammerschlag auf den Oberseitenstempel wurden beide Münzseiten gleichzeitig mit den Bildern versehen. Später versuchte man es mit der Walzenprägung, mit Taschenwerken und Spindelwerken. Erzbischof Leonhard von Keutschach verpachtete das Münzregal an den aus Frankreich stammenden Münzmeister Hans Thenn, der in Salzburg das neuzeitliche Münzwesen begründete. Nach Thenns Tod übernahm seine Frau, eine ausgebildete Münzmeisterin, für zwei Jahrzehnte die Alleinverantwortung für die Salzburger Münze. Aber die Intrigen neidischer Bürger und die Tatsache, dass Barbara Thenn dem protestantischen Glauben anhing, brachten sie um ihr Amt.

Der heimische Bedarf an Münzen im Erzstift Salzburg war sicher gering, sie wurden in erster Linie für den Fernhandelsverkehr benötigt. Die Münzbilder sind vielfältig, ab dem 15. Jahrhundert zeigen sie meist das Wappen des jeweiligen Erzbischofs. Am bekanntesten war der »Rübentaler« mit dem Bild einer großen Rübe aus dem Wappen von Erzbischof Leonhard von Keutschach. Die Münzstätte prägte aber auch Gedenkmünzen anlässlich besonderer Ereignisse wie dem Regierungsantritt eines Herrschers, bei kirchlichen Jubiläen oder nach einem glücklich überstandenen Krieg. Da die Salzburger Münzen jeweils nur in geringer Zahl auf den Markt kamen, haben sie heute einen entsprechenden Seltenheitswert und erfreuen sich bei Sammlern großer Beliebtheit.

Julius Bittmann



41/2008