Jahrgang 2002 Nummer 38

München wirbt mit heiterer Kunst

Stadtmuseum zeigt 50 Jahre Plakate für das Oktoberfest

Das macht München keine andere Stadt nach: Mit jeweils einem künstlerischen Motiv wirbt die Landeshauptstadt Bayerns für ihr weltweit bekanntes Oktoberfest auf der Theresienwiese – und das seit einem halben Jahrhundert kontinuierlich. Im Stadtmuseum auf dem St. Jakobsplatz ist die Ausstellung »Maß für Maß« bis weit über die Wies’n-Zeit hinaus (24. November) zu sehen (geöffnet täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr). Das Oktoberfest-Plakat der Jahre 1952 bis 2002 ist einziger Gegenstand der Schau.

Schon lange könnte die Geschichte des Münchner Oktoberfest-Plakats geschrieben werden. Die Schausteller waren die ersten, die Ende des 19. Jahrhunderts mit farbigen Plakaten zu ihren Attraktionen einluden. Ihnen taten’s dann um 1900 die Wirte und Brauereien gleich. 1896 wurde auf Geheiß des Magistrats der Kgl. Haupt- und Residenzstadt München ein Plakat-Motiv entworfen. Bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg druckte man das jährlich neue Programm ein. Zu den Festjubiläen 1910 und 1935 wurden dann erstmals eigene Plakate herausgegeben.

Erst 1949 fing nach dem Zweiten Krieg das Oktoberfest wieder an, seine Pforten zu öffnen. Weil die Landeshauptstadt München bald ihren Fremdenverkehr verstärkt bewarb, edierte sie 1952 ihr erstes Oktoberfest-Plakat. Noch ging es nicht auch nach Amerika, aber auf allen Bahnhöfen der angrenzenden Länder Bayerns war es ausgehängt worden. Gedruckt wurde im Format DIN A 1 und DIN A 3. Mit einer Auflage von nur 6000 Stück begann man 1953, elf Jahre später waren daraus schon 25000 geworden, wovon 15000 ausschließlich in Sonderrzügen ausgehängt worden waren. Leider schwand die Druckauflage des Oktoberfest-Plakats auf nicht ganz 13000. Dem Print-Werbemittel gesellten sich gerade in den letzten Jahren immer mehr andere Medien hinzu, die sogar viel effektiver werben können. Doch zur Image-Pflege dient bis heute das spezielle Oktoberfest-Plakat.

Mit geschlossenen Wettbewerben fing man an. Nur geladene Künstler nahmen daran teil, zumeist die landeshauptstädtische Prominenz. Ernst Wild und Franz Wischnewski konnten daher beide mit fünf bzw. vier Plakat-Auszeichnungen dabei sein. Erst von 1980 an wurde mal eine geschlossene, dann wieder eine offene Ausschreibung bevorzugt. Offene Ausschreibungen kosteten viel mehr Aufwand als geschlossene, waren auch erheblich teurer. Daher ging man vor zwei Jahren wieder auf die geschlossene Art der Wettbewerbs-Ausschreibung zurück. Ausgewählte Künstlerinnen und Künstler können sich beteiligen. Vertreter der Festleitung, des Oktoberfestausschusses im Stadtrat, Künstler/innen und Gebrauchsgrafik-Experten sind in der Jury.

Mit etwa 200 000 Werbeprospekten, die seit Jahren für das Oktoberfest die Trommel rühren, ist das größte Volksfest der Welt bestens im Rennen. Hinzu kommen die seit 1978 ausgegebenen Jahreskrüge zum Münchner Oktoberfest, die ebenfalls das offizielle Plakatmotiv zeigen. Auf T-Shirts, Pins, Mützen, Kappen usw. ist das ausgezeichnete Plakat farbig zu sehen – der Souvenirhandel käme ohne das jeweils neu prämierte Jahres-Bild gar nicht aus.

HG



38/2002