Jahrgang 2008 Nummer 4

Mit der Liebe zur Wahrheit gemacht

In St. Bonifaz feierte das katholische München 100 Jahre »Kirchenzeitung«

Wer wird schon 100? Welche Zeitung erreicht schon ein so hohes Alter? Seit exakt einem Jahrhundert gibt es die »Münchner Kirchenzeitung«. Ihre erste Ausgabe vom Sonntag, dem 5. Januar 1908 hieß »Wochenblatt für die katholischen Pfarrgemeinden Münchens«. Bald weitete sich dieses zum »Bistumsblatt« für die Erzdiözese München und Freising, deren Gebiet sie auch heute noch abdeckt, dabei aber weltoffen ist. Ihren seinerzeit gesteckten acht Zielen ist sie treu geblieben. Zuallererst erklärt sie das Sonntags-Evangelium und bringt es im vollen Wortlaut.

Wie stark sich das Blättchen zum Blatt wandelte – umfänglich ebenso wie inhaltlich – können die zum Festakt in der Münchner Pfarrei und Abtei St. Bonifaz geladenen Gäste sehen. In einer Plastiktüte mit Werbeaufdruck »Münchner Kirchenzeitung« trugen sie neben der neuesten Nummer vom 13. Januar 2008 auch ein Reprint der Erstausgabe mit nach Hause. Dazu zwei Bücher aus dem Haus, in dem die »MK« erscheint, dem Verlag Sankt Michaelsbund. Dessen geschäftsführender Direktor Erich Jooß behielt sich das Schlusswort beim Festakt vor. Seine Dankes-Liste begann bei den Lesern, die durch ihr Abonnement die Existenz des Kirchenblattes sichern helfen. Zuletzt dankte Jooß dem scheidenden Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter. Von ihm kam, wie oft betont wurde, nie ein Machtwort, jedoch stets wohlwollend begleitende Kritik. Wetter, der zusammen mit Abt Johannes Eckert die Geburtstagsfeier mit einer Vesper in der Basilika einleitete, sah in der »MK« die Würze, mit der die Gläubigen den Geschmack am Leben finden und »das Salz der Botschaft Jesu spüren« können. Die »MK« trage dazu bei, die Einheit aller Christen einer Diözese zu stiften und zu stärken. Selbst der Papst im fernen Rom, der dem Jubilar ein seitenlanges Glückwunschschreiben sandte, liest die »Münchner Kirchenzeitung«, und das seit 70 Jahren.

Lange zog sich die Feier mit abschließendem Empfang hin – doch die Redner, unterbrochen von einem glänzenden Bläser-Quartett, verstanden es, nie Langeweile aufkommen zu lassen.

Herausgeber Armin Wouters lobte die stets journalistisch gut gemachte, ordentlich recherchierte Wochenzeitung mit spürbarer Liebe zur Wahrheit. Mit einem humorvollen Streifzug durch die 100jährige Geschichte der »MK« hielt Chefredakteur Johannes Schießl die prominent besetzte Festversammlung bei guter Laune. Drei Gratulanten unterschiedlicher Couleur traten ans Rednerpult: Altabt Odilo Lechner (»Das Wort hat doppelt so viel Bedeutung, wenn ein Bild dabei ist«), Unternehmensberater Heiko Klinge, Hildesheim (»Das Bistumsblatt hat heute kein Leitmedium mehr, sondern ein Dialogmedium zu sein«) und Kabarettist Christian Springer, der es bedauerte, dass es die »MK« nicht schon vor 2000 Jahren gab. „Da wäre heilsgeschichtlich bestimmt einiges anders gelaufen…“

Hans Gärtner



4/2008