Jahrgang 2005 Nummer 8

Mit dem März begann das altrömische Jahr

Die Monatsnamen stecken voller »Geheimnisse« – Ein Kalender, der nur 13 Jahre galt

Wenn wir nach unserer Zeitrechnung im Frühling bereits im dritten Monat des Jahres leben, so wird uns wohl kaum bewusst, dass einst das Jahr mit dem März begann. Im altrömischen Kalender war dies der erste Monat, und das nicht ohne Grund. Der Name dieses Monats stammt vom altrömischen Kriegsgott Mars (Martius) ab, dem der März geheiligt war.

Der zweite Monat des altrömischen Jahres, der April, beruht auf dem lateinischen Aprilis, was übersetzt bedeutet: der die Erde öffnende Monat. Die weitere Herkunft des lateinischen Wortes ist nicht sicher geklärt. Es heißt, dass Apoll, der Gott des Lichtes, für den Namen hergehalten habe.

Der römischen Göttin des Wachstums, Maja, wurde der Monat Mai gewidmet. Nach einer anderen Lesart heißt der Monat vermutlich nach einem altitalischen Gott Maius, der ebenfalls als Beschützer des Wachstums verehrt wurde. Auf jeden Fall drückt sich in der Namengebung die Naturverbundenheit der Menschen früherer Zeiten aus, die die Monate nicht nur mit symbolischen Namen belegten, sondern auf Grund ihrer Beobachtung treffende Bezeichnungen fanden. Altdeutsch hieß der Mai Weide- und nicht fälschlich (Wonne-) mond.

Bei der Namengebung für den Juni stand die römische Göttin Juno Pate. Dieser Name setzte sich seit dem 16. Jahrhundert in der Kanzleisprache durch und verdrängte alte deutsche Namen wie Brachet und Heumonat. Die heutige Form bildete sich aus dem Genitiv Junii.

Der Monat Juli erfuhr einst eine Änderung: ursprünglich hieß er Quintilis, also der fünfte Monat alter Zeitrechnung; er wurde zu Ehren von Gajus Julius Caesar umbenannt, der im Jahr 46 nach Christus Kalenderreformen durchführte und den Jahresanfang auf den 1. Januar verlegte.

Nach ihm erhielt unser heutiger Kalender den Zusatz »Julianischer«. Weil aber der Jahresbeginn lange Zeit dennoch zwischen verschiedenen Terminen schwankte, setzte erst 1691 Papst Johannes Innozenz XII. den Jahreswechsel endgültig auf den 1. Januar fest.

Auch der August hieß einst anders, nämlich Sextilis, der sechste Monat. Der Monat wurde von den Römern zu Ehren des Kaisers Octavian nach dessen Beinamen Augustus »der Erhabene« benannt. Im Deutschen wurde der fremde Name gegenüber der einheimischen Bezeichnung Ernting oder Erntemond von der Kanzleisprache des 16. Jahrhunderts durchgesetzt.

Der September behielt auch nach der Kalenderreform seine Bezeichnung »siebter Monat«, auch wenn das heute ebenso wenig stimmt wie die Bedeutung des Oktobers als ursprünglich achter Monat. Kein Wunder, dass man in der Reihenfolge weiterging und als neunten Monat den November bezeichnete. Und so wurde der Dezember zum zehnten Monat von lateinisch decem.

In der Reihenfolge wurde vor der Julianischen Zeit der Januar zum 11. Monat. Doch seit dem Jahr 153 vor Christus wurde das römische Kalenderjahr nicht mehr von März bis Februar, sondern von Januar bis Dezember gerechnet. Demgemäß nannte man den das Jahr eröffnenden Monat Ianuarius – nach dem altrömischen Gott Janus, dem Gott der Türen und Tore, symbolisch auch des Eingangs und (Jahres-)Anfangs.

Bleibt als letzter Monat alter Rechnung noch der Februar übrig, abgeleitet von februarius, was Reinigungsmonat bedeutet, nach den Reinigungs- und Sühneopfern, die in seiner zweiten Hälfte für die Lebenden und Abgeschiedenen veranstaltet wurden.

Trotz der neuen Bezeichnungen, die sich erst nach dem 16. Jahrhundert durchsetzten, behielten die Bauern und Landleute, dem Rhythmus des Jahres entsprechend, ihre eigenen Bezeichnungen bei, etwa Hornung oder Sporkel für den Februar, Lenzing für den März, Ostermond für den April, Weidemond (Mai), Brachet (Juni), Heumonat (Juli), Ernting (August), Scheiding (September), Gilbhart (Oktober), Nebling (November), Christmond (Dezember) und schließlich Hartung für den Januar beziehungsweise Jänner.

Eine echte Kalender-Kuriosität ist der französische »Republikanische Kalender«. Er beginnt mit dem 1. Vendémiaire des Jahres I. Nach unserem Kalender war das der 22. September 1792. Seltsamerweise gibt es kein einziges Dokument, das die Jahreszahl »I« trägt, denn der Kalender wurde rückwirkend, erst am 15. Vendémiaire des Jahres II dekretiert.

Das Jahr von 365 Tagen wurde in zwölf Monate zu je drei Dekaden (je zehn Tage) eingeteilt. Die fünf Tage, die auf diese Weise übrig blieben, hießen »sans-culottides«. Die Namen der Monate spielten auf das jeweils vorherrschende Klima in Frankreich an. Zum Beispiel Brumaire (Nebel) für Oktober, Pluviôse (von Regen) für Januar, Fructidor (von Früchten) für August.

An den Endungen der Monatsnamen konnte man die Jahreszeit erkennen: auf »al« endeten die Frühlingsmonate, auf »or« die des Sommers, auf »aire« die herbstlichen und auf »ôse« die des Winters.

Jeder Tag trug den Namen eines pflanzlichen Produktes, zum Beispiel Weintraube oder Kastanie, jeder Fünfte den eines Haustieres (Pferd, Gans, Ziege und so weiter), jeder Zehnte den eines landwirtschaftlichen Geräts (etwa Pflug, Tonne). Das Schaltjahr hieß »Franciade«, und der letzte Tag des Schaltjahres »Tag der Revolution«.

Dieser Kalender galt offiziell nur 13 Jahre lang. Er wurde von Kaiser Napoléon I. am 9. September 1805 außer Kraft gesetzt. Zwar wurde er dann noch einmal während der Pariser Kommune (6. bis 23. Mai 1871) hervorgeholt, ohne aber praktische Bedeutung zu erlangen.

AK



8/2005