Jahrgang 2021 Nummer 14

Meister Lampe brachte schon in Frühneuzeit bunte Eier

Bräuche zum höchsten Fest im Christentum mit langer Tradition – Ostermärchen »verbannt«

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden kitschige Postkarten zum Renner. Osterhasen-Postbote des damals beliebten Illustrators Arthur Thiele. Repros: Mittermaier
Postkarte mit Hasenfamilie im Prägedruck um 1910.
Scherenschnitt mit Ostermotiv aus den »Fliegenden Blättern« 1919
Kleines Mädchen mit Osterküken, Postkarte um 1910.

Für Christen ist Ostern das höchste Fest, mit dem der Auferstehung Jesus gedacht wird. Die dabei gepflegten Bräuche sind allerdings eine Mischung aus kirchlicher Lehre und heidnischem Brauchtum, das in unseren Breitengraden bis in die Zeit der Kelten und Germanen zurückreicht. Andere Gepflogenheiten wiederum sind wesentlich neueren Datums und entspringen einer Welt, die mit dem Althergebrachten nicht mehr viel zu tun hat und über deren kulturellen Einfluss sich zukünftige Forscher dann irgendwann die Köpfe zerbrechen dürfen. Anders als an Weihnachten, wo dank der modernen Konsumwelt der angelsächsische Weihnachtsmann Christkind und Nikolaus den Rang abzulaufen droht, zählt der Osterhase noch nicht zur bedrohten Spezies und darf weiter in heimischen Gärten hoppeln.

Über die Entstehung seiner Figur ist sich die Forschung uneins: Einer Variante zufolge geriet Meister Lampe ganz zufällig zu seiner Rolle, als ein Backwerk, das eigentlich ein Lamm darstellen sollte, missriet und wie ein Hase aussah. Einer anderen Lesart zufolge ist der Osterhase ein ursprünglich protestantischer Brauch, der sich zunächst im urbanen Bürgertum in Oberdeutschland etablierte, später dann auch auf ländliche Regionen überschwappte, wo er auch in katholisch geprägten Gemeinden Fuß, pardon Pfote, fasste.

Im süddeutschen-österreichischen Kulturraum gab es parallel zum Hasen auch noch andere Tiere, die als Eierbringer fungierten, wie der Fuchs, die Osterhenne oder der Osterhahn.

Die früheste Erwähnung des Osterhasen datiert auf den Elsässer Mediziner Georg Franck von Franckenau, der 1682 in seinem Werk »De Ovis paschalibus« – »Von Ostereyern« schreibt, dass in zahlreichen Regionen Deutschlands der Osterhase Eier lege und in den Gärten im Gras verstecke, »damit sie von den Kleinen umso eifriger gesucht würden, zum Lachen und zur Freude der Älteren.«

Der Begriff »Ostern« hat ebenfalls deutsche Wurzeln und nimmt damit eine historische Sonderstellung ein. In der lateinischen Amtssprache der römischen Kirche hieß Ostern »festum paschale« abgeleitet vom hebräischen »pessach«, einem Fest, mit dem im Judentum an den Auszug aus Ägypten erinnert wird. Weil die Auferstehung Christi auf einen Tag festgesetzt wurde, der in den Zeitraum des Pessachfest fiel, übernahm die katholische Kirche den hebräischen Begriff.

Das im deutschen Sprachraum verwendete »Ostern« hat dagegen germanische Wurzeln, deren Ursprung allerdings nicht vollständig geklärt ist. Wahrscheinlich diente der altgermanische Begriff »Austro« für Morgenröte, übertragen auch als Sinnbild für den Frühling verstanden, als Anleihe. Dem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm zufolge soll eine Frühlingsgöttin namens »Ostara« Patin gestanden haben für den Begriff. Apropos Paten: Godn und Göd beschenkten ihre kleinen Schützlinge traditionell mit Eiern, die allerdings noch nicht aus dem Supermarkt kamen, sondern aus dem heimischen Hühnerstall und in der Osternacht im Gottesdienst geweiht wurden.

Auch früher schon beliebt waren bunt gefärbte Exemplare, die zum Teil auch kunstvoll verziert waren mit Zeichnungen oder Sprüchen wie: »Ich wünsche Liebchen froh und frei, mich dir, dich mir, zum Osterei«.Wer sich in Zeiten vor Erfindung von wasserfesten Filzstiften in das Wagnis stürzte, mit dem Standardschreibgerät in Gestalt von Gänsefedern auf dem unhandlichen Untergrund einen so umfangreichen Text zu produzieren, brauchte allerdings eine Portion Geduld und entsprechendes Geschick. Eine Anleitung zum Eierfärben aus dem 19. Jahrhundert gab damals Tipps, wie es mit dem Liebesbrief auf der bunten Schale am besten klappte: Von der Methode, Schrift oder Zeichnungen vor dem Färben mit Wachs aufzutragen, wurde abgeraten, weil sich damit keine schönen Ergebnisse erzielen ließen. Stattdessen solle man Essig, verdünnte Salzoder Salpetersäure verwenden, mit der man nach dem Färben die entsprechenden Zeilen per Federkiel auftrage. Anschließend musste das Ei im Wasser abgewaschen werden, wobei man die Stellen, an denen die Säure aufgetragen war, mit dem Finger abreiben sollte, bis die weiße Schale wieder hervortrete.

Zum Glück für Turteltauben trat Ende des 19. Jahrhunderts ein neues Medium seinen Siegeszug an, das es viel einfacher machte, der oder dem Angebeteten eine Liebeserklärung und Freunden und Verwandten Ostergrüße zukommen zu lassen: Die Postkarte, dank technischer Innovation bald auch farbig, zur Osterzeit in besonders zuckersüß-bunter Vielfalt angeboten. Beim Färben von Ostereiern dauerte es dagegen noch eine ganze Weile, bis sich die Prozedur vereinfachte.

Statt der heute beliebten Bastelpackungen, mit denen sich alle nur vorstellbaren Schattierungen und Muster fabrizieren lassen, mussten färbende Zutaten früher aus Garten, Speisekammer und Apotheke zusammengetragen und erst einmal für Sude angesetzt werden, in denen dann im nächsten Arbeitsschritt die Eier gekocht und gleichzeitig gefärbt wurden. Um grüne Eier zu erhalten, wurde Gras oder anderes Grünzeug empfohlen, für Gelb Gelbholz, Safran oder Curcuma, wobei Letzteres eine besonders intensive Färbung ergebe. Ein helleres Gelb ließ sich mit abgezogenen Mandelschalen erzielen, Goldgelb und Orange mit Zwiebelschalen. Rote Eier, die in der Kirche eine besondere Symbolik spielen, da ihre Farbe das Blut Christi symbolisiert, wurde mit Fernambuk- oder Brasilienholz gefärbt, für zartes Rosa wie auch sattes Purpurrot gab es gepulverte Cochenille, einen Farbstoff, der vor der Erfindung chemischer Varianten aus der Purpurschnecke gewonnen wurde.

Neben Eiern wurde traditionell auch Gebäck verschenkt, etwa Osterfladen, die im Gegensatz zu Speisen in der Fastenzeit dann auch wieder Eier enthielten. Manche der Backwerke wurden in Formen mit symbolischer Bedeutung produziert, wie beispielsweise Hirschgeweihe für Buben oder geflochtene Zöpfe für Mädchen. In Franken waren beispielsweise »Patenbündel« üblich: ein Ring aus Hefeteig mit zwölf Mulden für Ostereier, wobei die zwölf Mulden für die Apostel Jesu standen.

Ein seit dem Mittelalter nachweisbarer Brauch im deutschen Sprachraum ist das Anzünden von Osterfeuern. Frühestes schriftliches Zeugnis davon liefert der Missionar Bonifatius in einem Brief an Papst Zacharias 751. Darin schreibt der gebürtige Engländer vom germanischen Brauch des »ignis paschalis« und bittet den Pontifex, ihm mitzuteilen, wie im Sinne der christlichen Lehre mit diesen Feuern umgegangen werden soll. Während es in verschiedenen Regionen in Deutschland noch heute üblich ist, an Ostern möglichst hoch aufgeschichtete Holzhaufen abzufackeln, wird dies im alpenländischen Jahreskreis eher an Johannis praktiziert.

In Bayern wird in katholischen Gemeinden zur Osternacht ein Feuer entfacht, an dem dann die Osterkerze angezündet wird. Früher war es üblich, angekohlte Stecken vom Osterfeuer, für das unter anderem alte Palmbuschen als Brennmaterial dienten, mit nach Hause zu nehmen, um damit Heim und Hof vor Unglück zu bewahren.

Ein heute kaum mehr bekannter Brauch sind sogenannte »Ostermärchen«. Dabei handelte es sich um eine komische Geschichte, die der Pfarrer zum Osterfest in der Kirche im Anschluss an seine Predigt zum Besten gab. Der Gedanke hinter dieser Gepflogenheit war, die Gläubigen zum Lachen zu bringen, weil Ostern als Fest der Freude und des Jubels gilt. Als Beispiel gab der »Baierische Eilbote« 1842 folgende Anekdote zum Besten, die aus dem Mund eines Eichstädter Pfarrers stammen soll, der seine Schäfchen 1556 mit folgenden Worten amüsieren wollte: »Nun liebe Leutlein, muss ich mich auch noch nach der Gewohnheit richten, euch zu belustigen, und ein Ostermärchen zu erzählen. Da mir nun eben keins gleich einfallen will, so merket dies: Welche Frau Herr über ihren Mann ist, die hebe jetzt beide Händ auf und schreie 'Juch!'«.

Einige der Zuhörerinnen seien bei diesen Worten zusammengezuckt, doch keine der Frauen habe auch nur einen Mucks von sich gegeben. »Da wirf der Prediger sein 'Juch' selbst aus, der Osterschwank war fertig, die Gemeinde lachte laut auf und so war auch glücklich das Ostergelächter bewirkt«, so die Überlieferung.

Offenbar waren frauenfeindliche Thematiken zum Osterfest allgemein beliebt, denn 1790 brachte »Der baierische Landbot« unter der Überschrift »ein wahres Ostermährchen« folgende Story: Demnach sollte eine gute Frau so sein, »wie drei Dinge, und gleichzeitig auch nicht so sein, wie eben diese drei Dinge: Erstens soll sie sein wie eine Schnecke, und stets in ihrem Hause bleiben, aber darin soll sie sich von einer Schnecke unterscheiden, dass sie nicht alles, was sie hat, auf dem Rücken trägt, das ist, dass sie nicht ihr und ihres Mannes ganzes Vermögen auf den Kleiderputze verwende. Zweitens soll sie sein wie ein Echo, und bloß reden, wenn mit ihr geredet wird, nur soll sie darin nicht dem Echo gleichen, dass sie stets das letzte Wort haben wolle. Drittens solle sie sein, wie eine Stadtuhr, und stets Zeit und Ordnung halten: nur soll sie gleich der Stadtuhr nicht so laut reden, dass man es in der ganzen Stadt höre.«

Warum ausgerechnet die Frauen an Ostern für Lacher herhalten mussten, verraten die Berichte nicht. Möglicherweise lag das ja am begrenzten Einfallsreichtum der Kanzelredner wie auch der Publizisten entsprechender Geschichtchen, denn die Regensburger Zeitung druckte 36 Jahre nach dem »Landboten« das gleiche »Ostermährchen« ab, merkwürdigerweise aber nicht im April, sondern in der Neujahrsausgabe 1826 – und machte sich dabei noch nicht einmal die Mühe, die unpassende »Ostermährchen«-Überschrift zu ändern. Den Kirchenoberen stieß der Brauch damals offenbar auch schon auf, denn 1835 wurde auf der Regensburger Diözesankonstitutionen ein generelles Verbot von »Fabeln, gereimten Dichtungen und Obskurem« in den Gottesdiensten angeordnet.

 

Susanne Mittermaier

 

14/2021

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