Jahrgang 2008 Nummer 12

Kunst am Ei und krumme Vollmond-Eier

Über das Ostersymbol Ei und zwei ganz unterschiedliche Eier-Sammlungen



Osterei mit Pieta/mit Osterlamm/mit einem geschnitzten Kreuz aus dem Grödner Tal.

Osterei mit Pieta/mit Osterlamm/mit einem geschnitzten Kreuz aus dem Grödner Tal.
Ein Körbchen aus der skurrilen Eier-Sammlung von Maria Gruber.

Ein Körbchen aus der skurrilen Eier-Sammlung von Maria Gruber.
Das Ei steht im Mittelpunkt des österlichen Brauchtums. Einst symbolische Speise des heidnischen Frühlingsfestes, die für Fruchtbarkeit stand, hat sich das Ei bis heute erhalten – ein Zeichen des Lebens, Wachsens, Hoffens. In der christlichen Tradition und in der Kunstgeschichte gilt es als Symbol der Auferstehung. So hatte es auch bei der jüngsten Heimat- und Volkskulturmesse in Salzburg seinen Platz.

Das von südostbayerischen Gästen gern und viel besuchte Heimatmuseum in Obertrum hinter dem Haunsberg, wo auch zwei Mal im Jahr sehr gefragte Kurse stattfinden, zeigte eine beeindruckende Sammlung von »Kunst am Ei«. Die seit 1974 erfahrene Kunsthandwerkerin Waltraud Grabner aus Frankenmarkt gestaltete in nur sechs Wochen unzählige ovale Kostbarkeiten. Bevor sie sich selbständig machte, arbeitete sie bei einer Firma. »Da habe ich Tempo gelernt«, verrät sie. Um rationell zu arbeitet, ist sie immer an sechs bis 10 Eiern gleichzeitig dran. »Aber am Ende muss ich mit jedem Ei zufrieden sein«, betont sie, während sie ein rotes Ei mit einem weißen Muster schmückt. Manche Eier sind mit feinem Strich mit Maikäfern, Schmetterlingen oder Störchen bemalt. Andere wurden als Klosterarbeiten ausgeführt, mit einer Mini-Pietà oder einem fein geschnitzten Kreuz aus dem Grödner-Tal in der mit einer Spitze umrahmten Ei-Öffnung. Wieder andere sind mit einem Osterlamm oder Gebeten und Ornamenten verziert.

Inspiration für ihre künstlerischen Arbeiten holte sich Waldtraud Grabner durch die Kurse, die sie viele Jahre gab: Wenn ihre Teilnehmer schönere Dinge kreierten als sie selbst, entwickelte sie wieder neue Ideen. Am liebsten bemalte sie mit den Leuten mundgeblasene Christbaumkugeln. Zum Eierbemalen und später auch zum Spanschachtelmalen kam sie ganz zufällig, weil sie wollte, dass ihre Schüler auch unter dem Jahr malen und in Übung bleiben. Von einem Glasbläser aus Zwiesel im Bayerischen Wald lässt sich die Ei-Künstlerin auch mundgeblasene Eier nach Wunsch, etwa mit einer Öffnung, anfertigen. Ihre Techniken sind raffiniert und vielfältig; so werden manche Glas-Eier »goldgebrannt«: Die beim Pinselauftrag gelbe Goldfarbe erhält ihr Leuchten erst nach dem Brennen.

Gefärbte Eier werden übrigens in Deutschland erstmals im frühen 13. Jahrhundert erwähnt. Seit dem 12. Jahrhundert wurde in der Ostermesse um die Segnung von Eiern gebetet. Die Bezeichnung »Osterei« tauchte 1615 in Straßburg erstmalig auf. Viele Spiele und Bräuche ranken sich um das farbige Ei, wie das Verschenken, Verstecken, Eierschieben oder Eierpecken. Das kunstvolle Dekorieren der harten oder ausgeblasenen Eier, etwa mit Batik- oder Ätztechniken, ist in den slawischen Ländern noch sehr verbreitet.

Manche Eier sind auch von Natur aus Kunstwerke. Einen Blick dafür hatte die inzwischen betagte Bäuerin Maria Gruber aus Köstendorf im Salzburger Flachgau. In den Nestern ihrer etwa 200 Hühner entdeckte sie immer wieder »Krummes«. Ihr fiel auf, dass ihre Hühner solche individuellen Produkte mit Vorliebe in Vollmondnächten legten. In etwa 30 Jahren hat sie 2000 Kuriositäten gesammelt, ausgeblasen und sorgfältig aufbewahrt: groß und rund wie Tennisbälle, klein wie Erdbeeren, verhunzelt oder gesprenkelt. Oft ist die Bäuerin deswegen schon in der Zeitung gestanden. Hühner hat Maria Gruber inzwischen keine mehr - die hat nur noch ihre Tochter in Mattsee, bei der sie heute lebt und wahrscheinlich weitersammelt- , und sie kann selbst nicht mehr auf Ausstellungen gehen.

Veronika Mergenthal



12/2008