Jahrgang 2006 Nummer 25

Katholische Filialkirche St. Margaretha Egerdach

Das Kleinod wird bald in neuem Glanz erstrahlen

Egerdach im Jahre 1956

Egerdach im Jahre 1956
Der Hochaltar in der Egerdacher Kirche.

Der Hochaltar in der Egerdacher Kirche.
Egerdach erreicht man über die Straße Traunstein-Waging, wenn man in Weibhausen bei der Beschilderung St. Leonhard abbiegt und dann circa 200 Meter nach dem Bahngleis rechts fährt. Die Kirche sieht man an dieser Stelle schon von weitem, die Straße führt über Fritzenweng durch Egerdach. Einen Sprung abseits gegen Süden steht man plötzlich vor der Kirche, die im späten 15. Jahrhundert als Tuffquaderbau einschiffig zu vier Jochen, mit kurz eingezogenem Chor, im fünf Achtelschluss und südliche Sakristei erbaut wurde. Das Netzrippengewölbe mit den Wandvorlagen ist für den spätgotischen Kirchenbau typisch. Die Bedachung so wie der dreifache Zwiebelturm sind mit Holzschindeln gedeckt. Man vermutete früher, die Margarethenkirche Egerdach gehe auf iroschottische Mönche der Frühzeit zurück und dass die Kirche im Zusammenhang mit einem Kloster erbaut wurde. Hierfür gibt es jedoch keine Beweise. Auffällig ist die einsame Lage des Gotteshauses, auf einer kleinen Erhöhung am Rande eines verlandeten Moorsees.

Über die Frühgeschichte der Kirche liegen keine Aufzeichnungen vor, jedoch die Siedlung Egerdach wurde erstmals im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt.

Es ist anzunehmen, dass der romanische Vorgängerbau der heutigen Kirche aus dem 11. oder 12. Jahrhundert stammte, da bei den jüngsten Renovierungsarbeiten im Innenbereich der Kirche dessen Grundmauern entdeckt wurden. Bei diesen Arbeiten wurde auch ein römischer Meilenstein gefunden, welcher einige Meter abseits von der Kirche wieder aufgestellt worden ist. Schriftliche Erwähnungen vom Gotteshaus gibt es erst aus dem Jahre 1438. Ludwig von Teck, Patriarch von Aquileja in Istrien und Legat bei der Synode in Basel, verlieh am 15. August des Jahres 1438 einen 40 Tage Ablass an alle Guttäter der Pfarr- und Mutterkirche Waging und ihre Filialen, Taching, Tengling, Burg, Gaden, Wonneberg und Egerdach. Zu dieser Zeit stand in Egerdach noch eine romanische Kirche. Diese wurde aber kurz vor 1500 durch den heute spätgotischen Bau ersetzt. Über diesen Neubau gibt es erst seit dem 17. Jahrhundert eine schriftliche Überlieferung der Kirchengeschichte. Wie aus den verschiedenen Büchern über laufend Baumaßnahmen hervorgeht, wurde 1766 der Turm in seiner heutigen Form angesetzt.

Zwei knappe Aufzeichnungen aus den Jahren 1614 und 1673 geben erste Hinweise auf regelmäßige Gottesdienste in Egerdach. Das älteste erhaltene Dokument aus dem Jahre 1706 bestätigt dies.

Im Frühjahr und im Frühsommer wurde jeden Donnerstag eine Messe gelesen, im Jahreslauf beginnend am Donnerstag nach Lätare (Fastensonntag) und endend mit dem Margarethentag am 20. Juli.

In den Bittwochen werden jährlich Bittgänge von St. Leonhard und Surberg nach Egerdach abgehalten, jedoch ist dies wegen der Renovierungsarbeit zur Zeit nicht möglich.

Das Kirchenpatrozinium wird am Sonntag in der Woche des 20. Juli als festliches Ereignis gefeiert. Wir hoffen dass die Fertigstellung in Kürze erfolgt, damit die Gemeinde das Fest wieder gemeinsam feiern kann.

Egerdach war Grundherr zweier Höfe, des Schrottgutes in Oberwendling und des Bauerngutes in Unterwendling. Beide waren von der Steuergröße her »halbe Höfe« und gehörten damit zu den größten Anwesen der Umgebung. Wie die Kirche an diese Höfe kam, ist bisher unklar, sie werden bereits in der ersten erhaltenen Kirchenrechnung vom Jahr 1658 aufgeführt.

Das Grundvermögen der Kirche betrug nach den Kirchenrechnungen stets etwa 200 fl. Gulden. Dazu kamen jährliche Einnahmen von durchschnittlich 100 fl. die sich zusammensetzen aus Zinsen für verliehenes Geld, Opferstockeinnahmen so wie dem Verkauf von Wachs und Hanf und den Zahlungen der Grunduntertanen.

Den Einnahmen der Kirche standen auch Ausgaben gegenüber, meistens Bauausgaben. Trotzdem erwirtschaftete die Kirche jährlich kleine Überschüsse. Wenn sich so etwa wieder 600 fl. angesammelt hatten, wurde das Geld wieder gegen Zinsen verliehen.

Der Egerdacher Hochaltar von 1679 wurde vom damaligen Pfarrer Dr. Kiene als Seitenaltar der Pfarrkirche Waging gestiftet. Nach der Barockisierung der Waginger Kirche um das Jahr 1700 kam dieser als Hochaltar in die Egerdacher Kirche. Auf dem Hauptblatt des Altares ist die Schutzmantelmadonna abgebildet (in dieses Bild ließ sich der Stifter Pfarrer porträtieren). Bei dem Gemälde oben handelt es sich um eine Darstellung der Muttergottes von Ettal. Der weiß gefasste Tabernakel stammt aus späterer Zeit. Weiter sind dem Altar seitlich die Figuren der Heiligen Margaretha mit Drachen und die Heilige Katharina beigestellt, im Chorbogen befindet sich links die Muttergottes auf der Mondsichel und rechts der gegeißelte Heiland.

Die Darstellung der Schutzheiligen mit dem an der Kette befestigten Drachen ist auf das Leben der Heiligen Margarethe zurückzuführen. Die Heilige Margarethe wurde der Überlieferung nach 1216 in Ypern Belgien als Tochter eines heidnischen Priester geboren.

Als junges bildschönes Mädchen hat sie der Stadtpräfekt (mit Namen Olybrius) begehrt, jedoch hat Margarethe ihn zurückgewiesen. Sie wechselte, noch fast im Kindesalter, zum Christentum über und trat mit 13 Jahren in den Orden des Heiligen Dominikus ein. Was die Folge hatte, dass sie ins Gefängnis geworfen und mit Brandwunden gefoltert wurde, aber die Wunden verheilten immer wieder sehr schnell. Als das Wunder an die Öffentlichkeit kam, führte dies zu massenhaften Taufen, beziehungsweise zur schnellen Verbreitung des Christentums in ihrer Heimat.

Im Gefängnis erschien ihr immer wieder ein riesiger Drache (oft als verwandelter Stadtpräfekt) um sie zu verschlingen, durch das Zeichen des Kreuzes wurde sie immer wieder von dem Demon befreit. Ungeachtet der Wunder die geschahen, konnte sie dies nicht davor bewahren, dass sie am 20.07.1237 durch Enthauptung hingerichtet worden ist. Auf dem Weg zur Hinrichtung betete sie noch für ihre Verfolger.

Die Darstellung mit dem Drachen an der Kette versinnbildlicht den Sieg über das Böse. Sie gilt als Schutzpat-ronin der Bauern, bei allen Themen rund um die Schwangerschaft und Geburt.

Auch bei Unfruchtbarkeit sowie bei Wunden und ihrer Schönheit wegen auch bei Gesichtskrankheiten wird sie angerufen, sie zählt neben der Heiligen Barbara und Katharina von Alexandrien zu den bekanntesten 14 Nothelfern.

Ihr Gedenktag in der katholischen, evangelischen und anglikanischen Kirche ist der 20. Juli des Jahres.

Hoffen wir, dass dieses Kleinod mit der Patronin St. Margaretha, das den Menschen seit Generationen so viel bedeutet, bald wieder im neuen Glanz erstrahlt, in weiter Zukunft die Landschaft ziert, damit die Besucher immer wieder Kraft und Erbauung finden.

Josef Fenninger, Georg Zeilinger


Quellennachweis: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler von 12990 S210. Aus dem Heft 11 des Heimatpflege und Kulturverein, Waging. Kirchenführer Waging erganzte Auflage 1977 S21,22 von Dr. P. Bernhard Walcher. Heimatbuch des Landkreises Traunstein von 1990 S 303



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