Jahrgang 2005 Nummer 50

Johannes Kepler, Pionier der modernen Astronomie

Er entdeckte die Gesetze der Planetenbewegung

Er zählt zu den Begründern der modernen Naturwissenschaften und gilt als ein Pionier der neuzeitlichen Astronomie. Johannes Kepler entdeckte die Gesetze der Planetenbewegung und löste damit ein Rätsel, das die Menschheit mehr als 4000 Jahre lang beschäftigt hatte. Mit seinen »Keplerschen Gesetzen« schuf er im frühen 17. Jahrhundert die Grundlage zur Berechnung der Umlaufbahnen der Planeten um die Sonne. Vor 375 Jahren starb der Astronom am 15. November 1630 im Alter von 59 Jahren in Regensburg.

Keplers Leben war ein Leben für die Wissenschaft. Bereits als kleiner Junge interessierte sich der am 27. Dezember 1571 in Weil der Stadt bei Stuttgart geborene Wissenschaftler für die Astronomie. Gemeinsam mit seiner Mutter Katharina beobachtete er den Kometen von 1577 und die Mondfinsternis von 1580. Im Jahr 1589 begann Kepler in Tübingen Theologie zu studieren. Er wollte protestantischer Geistlicher werden. Während seines Studiums befasste sich Kepler aber weiter mit astronomischen Fragen. Er wurde zu einem Anhänger des damals heftig umstrittenen heliozentrischen Weltbildes von Nikolaus Kopernikus in dem nicht die Erde, sondern die Sonne das Zentrum des Weltalls bildet.

Im Jahr 1596 sorgte Kepler mit der Veröffentlichung seines ersten Buches für großes Aufsehen. Tycho Brahe, Mathematiker Kaiser Rudolph II. und zur damaligen Zeit einer der bedeutendsten Astronomen Europas, wurde auf Kepler aufmerksam und holte ihn als Assistenten nach Prag. Brahe verfügte über die exaktesten Messinstrumente und die genauesten astronomischen Daten der damaligen Zeit.

In dieser Phase machte Kepler die entscheidende Entdeckung für seine Gesetze. Er stellte fest, dass sich die Planeten nicht auf kreisförmigen, sondern elliptischen Bahnen bewegen. Als zweites Keplersches Gesetz hielt er in seiner »Astronomia nova« 1609 fest, dass sich Planeten um so schneller bewegen, je näher sie der Sonne kommen. Zehn Jahre später folgte die dritte wichtige Entdeckung. Dabei beschäftigte sich der Astronom mit dem Verhältnis zwischen den Umlaufzeiten der Planeten und deren mittleren Abständen von der Sonne.

Nachdem Kepler erfahren hatte, dass Galileo Galilei mit einem Fernrohr die Mondoberfläche beobachtet hatte, setzte auch er sich mit der Optik auseinander. Er entwarf 1611 einen Bauplan für ein astronomisches Teleskop, das so genannte Kepler-Fernrohr. Sein letztes großes Werk erschien 1627. Darin beschrieb der Astronom die Positionen der Planeten so genau wie niemand zuvor.

Drei Jahre später starb Kepler im Haus eines Regensburger Kaufmanns an einer Lungenentzündung. In dem Gebäude wurde mittlerweile ein kleines Museum eingerichtet. »Regensburg war nicht das Zentralgestirn, um das sein Lebensschicksal kreiste«, sagt Matthias Freitag, der das »Kepler-Gedächtnishaus« seit zehn Jahren betreut. Aber der Wissenschaftler habe in Regensburg zahlreiche Freunde gehabt. Bei seinem Besuch im November 1630 wollte der Astronom den Kaiser treffen. »Ferdinand II. schuldete ihm 12 000 Gulden, das ist mehr als eine halbe Million Euro«, erklärt Freitag.

Zu einem Treffen sei es aber wegen der Krankheit des Wissenschaftlers nicht mehr gekommen. »Eine Geschichte erzählt, dass der Kaiser von Keplers Aufenthalt in Regensburg erfuhr und einem Diener 50 Gulden für den Astronomen in die Hand drückte«, sagt Freitag. Zwei Tage später war Kepler tot. Er wurde auf dem evangelischen Friedhof vor den Toren der Stadt begraben. »Es war für damalige Verhältnisse eine respektable Beerdigung«, erklärt Freitag. Das Grab Keplers wurde während des Dreißigjährigen Krieges zerstört. Heute erinnert ein Denkmal an die Grabstätte des berühmten Astronomen.

SB



50/2005