Jahrgang 2021 Nummer 16

Hl. Rudolph, Knabe und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Rudolph (= ratend, helfend) wurde zu Bern in der Schweiz heimlich von seinen Eltern am 17. April 1288 entführt und zu einem reichen Hebräer gebracht, welcher denselben in einem Keller unter entsetzlichen, langsamen Qualen töten ließ. Das unschuldige Blut schrie um Rache. Nach langem Suchen wurde das Kind aufgefunden und von den Eltern erkannt. Die verdächtigsten Täter wurden gefangen genommen, die Mörder gerädert und andere Mitwissende aus der Stadt gejagt. Die Priester und der Rat der Stadt erklärten, der Knabe hätte die Martyrerkrone errungen; daher gebühre ihm eine ehrenvolle Beisetzung. Der heilige Leib wurde vor dem Kreuzaltare in der Pfarrkirche begraben, wo in der Folge auf die Fürbitte des heiligen Blutzeugen an Kranken und Bresthaften viele Wunder geschahen. Im Jahre 1430 wurde die alte Pfarrkirche abgebrochen und das schöne St. Vincenzmünster erbaut. Die Gebeine des heiligen Rudolph wurden ausgegraben, in einen bleiernen Sarg verschlossen und auf dem Kreuzaltare zur Verehrung ausgesetzt. Im Jahre 1528 fiel Bern vom katholischen Glauben ab; man nahm die heiligen Reliquien vom Altare weg und vergrub sie in der Erde. Sein Verehrungstag ist der 17. April.

Lehre. Gott ließ es zu, dass auch Kinder gemartert wurden, und stärkte sie durch seine Hilfe und Gnade, um sie dann dafür im Himmel desto herrlicher belohnen zu können. Die Standhaftigkeit dieser jugendlichen Martyrer, wie des heiligen Rudolph, selbst unter den größten Peinen, ist eine heilsame Mahnung für die Kinder, dass sie unter allen Verhältnissen auf Gott vertrauen, dem heiligen Glauben treu bleiben und sich durch keine Drohungen von Bekenntnisse Jesu Christi abbringen lassen sollten.

Gebet. O Gott, der du deinen hl. Blutzeugen, den schwachen Knaben Rudolph gestärkt und mit der Palme des Martyriums geschmückt hast: kräftige uns durch deine Gnade, damit wir in allen Lagen unseres Lebens dir die gebührende Treue bewahren und der ewigen Glückseligkeit teilhaftig werden. Amen.

 

 

16/2021

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