Jahrgang 2021 Nummer 24

Hl. Johannes von St. Facundo, Augustinermönch

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Johannes wurde in der Stadt Facundo (daher sein Beiname) in Spanien 1419 geboren. Als Priester wirkte er mit großem Segen zu Burgos. Er gelobte Gott, in einen Orden zu treten, wenn er ihm das Leben erhielte bei einer schmerzlichen Operation. Gott erhörte ihn, und so trat Johannes im Alter von 49 Jahren zu Salamanca in den Orden der Augustiner-Eremiten. Er zeichnete sich durch Tugenden aus, wurde bald Novizenmeister und Prior und tat viel Gutes. Von Gott erhielt der Heilige die Gaben der Wunder und der Unterscheidung der Geister. Furchtlos predigte der Heilige gegen die Laster seiner Zeit und scheute kein Ansehen der Person. Der beleidigte Herzog von Alba schickte ihm zwei Bewaffnete nach, um ihn zu züchtigen oder zu töten. Als diese des Heiligen ansichtig wurden, konnten sie das böse Vorhaben nicht ausführen, sondern sprangen von den Pferden und baten ihn reumütig um Verzeihung. Der Herzog, von einer schmerzlichen Krankheit ergriffen, erkannte sein Unrecht, ließ den Heiligen zu sich rufen und erlangte von ihm die Vergebung der Schuld und auch die Gesundheit. Aber eine schwergekränkte, zuchtlose Weibsperson wusste dem Heligen Gift beizubringen, das ihm den Tod brachte. Der heilige Johannes starb am 12. Juni 1479. Wegen zahlreicher Wunder sprach ihn Papst Clemens VIII. 1601 selig, und Papst Alexander VIII. 1690 heilig.

Lehre. Der heilige Johannes ist auf dem Bilde dargestellt, wie er zwei Parteien, die sich aus tötlichem Hasse bekämpften, versöhnt. In ganz Salamanca brachte er die entzweiten Gemüter zur Ruhe. Christen sollten sich nicht entzweien. Über dem Zorne soll nicht einmal die Sonne untergehen. Man hüte sich vor Jähzorn, Hass, Rachsucht und Streitigkeiten. Großes Verdienst hat, wer Beleidigungen sanftmütig erträgt; aber ein noch größeres, wer verfeindete Herzen zu versöhnen sucht.

Kirchengebet. O Gott, du Urheber des Friedens und Freund der Liebe! der du deinen hl. Bekenner Johannes mit der wunderbaren Gabe geschmückt hast, entzweite Gemüter zu versöhnen: verleihe durch seine Verdienste und Fürbitte, dass wir in deiner Liebe gefestigt und durch keine Versuchungen von dir geschieden werden. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

24/2021