Jahrgang 2021 Nummer 12

Hl. Joachim, Vater der seligsten Jungfrau Maria

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Joachim (= Gott hat befestigt, gegründet) stammte vom königlichen Hause Davids ab, lebte jedoch arm und unbeachtet zu Nazareth. Er war aus dem Stamme Juda und vermählte sich mit der heiligen Anna aus dem Stamme Levi. Beide waren ungemein fromm. Weil ihre Ehe kinderlos blieb, wurden sie einst von einem Priester vom Opfer zurückgewiesen. Darüber äußerst betrübt, beteten sie innig zu Gott – und erhielten das heiligste Kind, die seligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria. Diese weihte sich schon im zartesten Alter ganz Gott dem Herrn und wurde am Tempel zu Jerusalem erzogen. Joachim und Anna hatten Herden (Joachim wird deshalb auch mit einen Schäferstabe abgebildet) und gaben jährlich von ihrem Besitztum einen Teil an den Tempel und die Priester, den zweiten Teil an die Armen; und vom dritten Teile lebten sie selbst. Joachim starb, etwa 80 Jahre alt, am 20. März und wurde im Tale Josaphat begraben. Im 4. Jahrhundert soll sein heiliger Leib nach Jerusalem übertragen worden sein. Reliquien vom Heiligen sind zu Bologna in Italien und in Köln. Mehrere heilige Väter rühmen die Tugenden des heiligen Joachim, besonders der heilige Epiphanius, der den Namen Joachim auslegt als »Vorbereitung des Herrn«. Früher wurde das Gedächtnis des heiligen Joachim und der heiligen Anna zugleich am 9. Dezember gefeiert, wozu der heilige Bernard Anlass gab, indem er schrieb: »Wenn man das Fest der unbefleckten Empfängnis der seligsten Jungfrau feiern wolle, so müsse man auch das Gedächtnis ihrer Eltern festlich begehen.«

Lehre. Der heilige Vater Joachim hatte zwar bei der Erziehung seines heiligen Töchterleins keine besondere Mühe; aber er wendete alle Sorgfalt an, indem er stets bedachte, welch großes Gut ihm anvertraut sei. O möchten doch die Väter ihrer Pflichten eingedenk bleiben und ihren Kindern nicht nur die gehörige leibliche Pflege, sondern auch eine recht gute Erziehung angedeihen lassen. Unheilvoll sind die Folgen einer schlechten oder vernachlässigten Erziehung nicht allein für die Kinder. Die Verantwortung hierfür ist eine schwere vor Gott.

Gebet der Kirche. O Gott, der du aus allen Heiligen den seligen Joachim zum Vater der Mutter deines Sohnes erwählen wolltest: wir bitten dich, verleihe uns, dass uns jederzeit der Schutz desjenigen zuteil werde, dessen Fest wir feiern. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

12/2021

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