Jahrgang 2021 Nummer 20

Heiliger Rupert von Bingen, Herzog, und sel. Bertha

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Rupertus (= holder Ratgeber) war der Sohn des heidnischen Herzogs Robolaus und der seligen Bertha (= prächtig, schön). Die Mutter hatte von ihrem Vater viele Güter bei Bingen am Rhein in die Ehe mitgebracht. Ihr Gemahl bekehrte sich leider nicht, sondern fiel im Kampfe gegen Christen. Ihr Sohn Rupert aber tröstete sie, indem er die herrlichen Anlagen des Geistes und Herzens entwickelte. Sie betete Tag und Nacht für ihn und gab ihm den heiligen Priester Wigbert zum Lehrer. Sie erbauten Häuser für Arme und Kranke und sorgten für deren Pflege. Rupert pilgerte nach Rom. Nach seiner Rückkehr musste er das Herzogtum antreten und gründete Dörfer und Kirchen. Allen Versuchungen zum üppigen Leben leistete er beharrlichen Widerstand. Erst 20 Jahre alt, starb er an einem Fieber den 15. Mai 732. Sein heiliger Leib wurde in der von Bertha erbauten Kirche auf den nahen Berg (nun Rupertusberg genannt) beigesetzt und von Gott durch Wunder verherrlicht. Die betrübte Bertha lebte noch 25 Jahre in Werken der Gottseligkeit und Nächstenliebe und verschied am 15. Mai 757. Ihr heiliger Leib fand seine Ruhestätte neben jenem ihres Sohnes. Der heiligen Hildegard wurde das Leben des heiligen Rupert und der seligen Bertha geoffenbart.

Lehre. Der heilige Rupert und seine fromme Mutter befolgten die Mahnung des heiligen Ambrosius: »Es schlafe dein Fleisch; es wache aber dein Glaube. Es sollen schlafen alle sinnlichen Torheiten und Tändeleien, und es wache die Klugheit deines Herzens.«

Gebet. O Gott, du Ausspender der Gnaden, eröffne uns, die wir auf Erden keine bleibende Wohnstätte haben, den Schoß deiner Güte und verleihe uns, dass wir nach den himmlischen Wohnungen streben und durch die Fürbitte des hl. Rupertus und der seligen Bertha dorthin gelangen mögen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

20/2021