Jahrgang 2021 Nummer 14

Heiliger Richard, Bischof

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Richard (= ansehnlicher Held) stammte von edlen, jedoch verarmten Eltern in England und war ungeachtet seiner Dürftigkeit immer heiter. Er studierte in Oxford, dann in Paris. Hierauf wurde er Professor der Philosophie in Oxford. Der heilige Edmund ernannte ihn bald zu seinem erzbischöflichen Kanzler zu Canterbury. Im Jahre 1245 bestieg Richard den bischöflichen Stuhl zu Chichester. Aber König Heinrich III. erkannte ihn nicht an, sperrte ihm alle Einkünfte und gestattete ihm erst nach zwei Jahren durch Vermittlung des Papstes und der Bischöfe die Verwaltung seiner Diözese. Der fromme Bischof übte nun viele Werke der Barmherzigkeit (siehe Bild!). Er war voll Güte gegen alle, selbst gegen seine Feinde, strenge gegen Ausschreitungen, standhaft und geduldig im Unglück, liebevoll gegen seine Untergebenen, eifrig im Gebete und aß nie Fleischspeisen. Der große Wohltäter erbaute ein Spital für Arme und Krüppelhafte und verwehrte oft wunderbar Geld und Lebensmittel. Im Auftrage des Papstes übernahm der Heilige die Predigten wegen eines Kreuzzuges, erkrankte zu Dover, bereitete sich auf den nahen Tod vor und ließ so lange die Mutter Gottes für sich anrufen, bis er seinen Geist aufgab am 3. April 1253. Gott verherrlichte ihn durch Wunder. Sein heiliger Leib wurde in die Kathedrale zu Chichester übertragen. Papst Urban IV. setzte ihn 1269 in das Verzeichnis der Heiligen.

Lehre. Der heilige Richard und zwei andere Studenten bewohnten ein Zimmer zu Paris, und hatten alle drei nur einen Mantel, so dass sie nie zu gleicher Zeit ausgehen und die Vorlesungen besuchen konnten. O wie viele arme Studenten sind schon die besten und für ihre Mitmenschen nützlichen Männer geworden! Darum ist die Unterstützung armer Studierender ein Gott recht wohlgefälliges und verdienstvolles Werk. Sollte jedoch der eine oder andere Studierende sein Ziel nicht erreichen – oder später undankbar sein und seiner Wohltäter sich nicht mehr erinnern wollen: das Verdienst vor Gott wird dadurch nicht geschmälert.

Kirchengebet. O Gott, der du deine Kirche und die Verdienste deines heiligen Bekenners und Bischofes Richard in herrlichen Wundern erglänzen ließest, verleihe uns, deinen Dienern, durch dessen Fürbitte, dass wir zur ewigen Glorie der Seligkeit gelangen mögen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

14/2021

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