Jahrgang 2021 Nummer 4

Heiliger Raymund von Pennafort, Dominikaner

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Raymund (= unbescholten, Fürsprecher) wurde 1175 auf seinem Stammschlosse Pennafort (daher sein Beiname) in Spanien geboren und oblag mit außerordentlichem Erfolge den Studien, wurde Priester, Doktor und Professor. Der Bischof von Barcelona ernannte ihn zu seinem Generalvikar. Der Heilige erfüllte gewissenhaft seine Pflichten und zeichnete sich durch Andacht und besonders durch die Liebe zu den Armen aus, die er seine Gläubiger nannte. Im Alter von 47 Jahren trat er in den Dominikanerorden. Sonntag ausgenommen, genoss er täglich nur einmal Nahrung, vergoss beim Gebete viele Tränen und verehrte innig den heiligen Schutzengel, den er seinen Schlafgenossen benannte. Unzählige Sünder bekehrte Raymund durch seine Predigten und im Beichtstuhle. Als General wirkte er viel für seinen Orden. Der König nahm ihn mit sich auf die Insel Majorca und verweigerte ihm die gewünschte Erlaubnis zur Rückkehr. Da rief der Heilige Gott um Hilfe an und durchsegelte auf seinem Mantel (siehe Bild!) 60 Meilen weit in etwa sechs Stunden das Meer bis Barcelona, wo sich die Klosterpforte von selbst ihm eröffnete, sodass er seine Mitbrüder staunend überraschte. Sein Hinscheiden erfolgte im Alter von 100 Jahren am 7. Januar 1275. Seine Wunder sind zahlreich. Papst Clemens VIII. sprach ihn 1601 heilig. Papst Clemens X. bestimmte den 23. Januar zu seinem Ehrentage.

Lehre. Ein Neffe des Heiligen wollte in den Dominikanerorden eintreten. Dieser brachte ihn davon ab. Aus Reue hierüber wurde er selbst Dominikaner, weil der Neffe nicht mehr diesem Berufe geneigt war. Sei demnach gewissenhaft, o Christ! in Erteilung von Rat und bedenke, dass du vor Gott darüber Rechenschaft geben musst. Böse Ratgeber richten ungeheures Verderben an.

Gebet der Kirche. O Gott, der du den seligen Raymund zum vorzüglichen Spender des Bußsakramentes auserwählt und ihn wunderbar über die Meereswellen geführt hast; verleihe, dass wir durch die Kraft seiner Fürbitte würdige Früchte der Buße zu bringen und in den Hafen des ewigen Lebens zu gelangen vermögen. Amen

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

4/2021