Jahrgang 2012 Nummer 39

Heiliger Michael, Erzengel

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Michael (= wer ist wie Gott?) ist einer der sieben Geister, welche zunächst am Throne Gottes stehen. Er ist wohl der vornehmste aller Engel, obschon aus der vorletzten Reihe, nämlich der Erzengel. Im Kampfe nämlich gegen Lucifer und dessen aufrührerischen Anhang war Michael der eifrigste Verteidiger Gottes. Sein Schlachtruf lautete: »Wer ist wie Gott?« Er obsiegte im furchtbaren Streite durch die Kraft, welche ihm der allmächtige Gott verliehen hat. Lucifer und sein Anhang wurden von den Himmelshöhen in die Hölle hinabgestürzt – und sind die schrecklichen Teufel geworden. Aber der Kampf zwischen den Engeln und Teufeln hörte nie auf und wird nie aufhören, solange es Menschen auf Erden gibt. Die heiligen Engel nehmen sich um uns Menschen an und suchen uns gegen die bösen Geister zu schützen. Der mächtige Himmelsfürst Michael war ehedem der Schutzherr des israelischen Volkes. Nachdem aber der göttliche Heiland den neuen Bund gestiftet hat, ist der heilige Erzengel Michael der Beschützer der katholischen Kirche geworden. So lange Deutschland katholisch war, wurde St. Michael als sein Schutzpatron verehrt. Auf den Kriegsfahnen war sein Bild; er war mit goldenen Flügeln geziert und dargestellt, wie er den höllischen Drachen bekämpfte. Es ist ihm auch von Gott die Aufgabe zugeteilt, den Sterbenden in ihrem letzten Kampfe beizustehen, weshalb ihn die heilige Kirche anruft. Endlich steht St. Michael den Seelen beim Gerichte Gottes bei und hält die Waage, auf welcher er gerecht abwägt und die Seelen in den Himmel zu bringen sucht. Aus diesen wichtigen Ursachen wird der heilige Michael sehr verehrt. Viele Kirchen und Kapellen sind ihm geweiht. Wegen seiner Erscheinung auf dem Berge Gargano ist der 8. Mai sein Verehrungstag. Die heilige Kirche verehrt ihn aber besonders am 29. September.

Lehre: Kämpfe, o Christ! mutig wie St. Michael gegen den Teufel und rufe den heiligen Erzengel um Hilfe an. Der heilige Bonaventura sagt: »Der Teufel versucht zuerst als Drache, um zu verführen; dann aber als Löwe, als welcher er vernichtet. Zuerst nämlich verweichlicht er durch Schmeicheleien; dann sucht er durch Leiden zu verderben.«

Kirchengebet: O Gott, der du durch eine wunderbare Ordnung über die Dienste der Engel und Menschen verfügst: verleihe gnädig, dass unser Leben auf Erden von jenen beschützt werde, welche dir im Himmel stets dienen und dir nahe sind. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 


39/2012