Jahrgang 2021 Nummer 3

Heiliger Marcellus I., Papst und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Marcellus (= stark, streitbar), ein geborener Römer, regierte die Kirche Gottes von 304 bis 310. Die heilige römische Matrone Lucina übergab ihm alle ihre Güter, wovon 20 Pfarrsprengeln und Kirchen in Rom errichtet wurden, um die Katechumenen auf die heilige Taufe vorbereiten zu können. Die reuigen Abgefallenen wurden zur Buße angewiesen, und auch Friedhöfe errichtet, um die Christen, zumal die heiligen Martyrer, bestatten zu können. Wegen Wiederaufnahme der aus Furcht vor den schrecklichen Martern Abgefallenen wollte der Heilige geeignete Strenge mit Barmherzigkeit vereinigen. Es entstand deshalb ein Streit. Auf Befehl des Kaisers Maxentius wurde Marcellus zuerst mit Prügeln geschlagen und dann verbannt. Er scheint geheim zurückgekehrt zu sein, verbarg sich im Hause der Lucina, weihte es zur Kirche und versammelte darin die Christen zum Gottesdienste. Als der Kaiser dies erfuhr, ließ er die Kirche entweihen und die wilden Tiere dorthin bringen, welche der heilige Papst füttern musste, bis er den vielen Entbehrungen und Leiden erlag am 16. Januar 310. Die Reliquien des heiligen Martyrers werden in der Kirche seines Namens zu Rom verehrt.

Lehre. Wie notwendig ist für die heilige Kirche ein sichtbares Oberhaupt, damit die Regierung derselben gut von statten gehe, dass alle ihre wichtigen Angelegenheiten beständig geordnet werden, und die Gläubigen wissen, wonach sie sich zu richten haben. Leistet daher, o Christen! dem Papste als dem Stellvertreter Jesu Christi, der ja nur nach dem Willen Gottes sich richtet und regiert, in allen Sachen des Glaubens und des sittlichen Lebens vollkommen Gehorsam, ehret ihn und betet für ihn.

Gebet der Kirche. Wir bitten dich, o Herr! erhöre gnädig das Gebet deines Volkes, damit wir durch die Verdienste deines seligen Martyrers und Oberhirten Marcellus Hilfe erlangen, dessen Leidensgedächtnis wir feiern. Amen

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

3/2021