Jahrgang 2021 Nummer 26

Heiliger Johannes und hl. Paulus, Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Johannes und Paulus waren leibliche Brüder von vornehmer Abkunft zu Rom und standen im Hofdienste der heiligen Constantia, Tochter des Kaisers Constantin des Großen. Von dieser Prinzessin erbten sie große Reichtümer, wovon die Armen viele Wohltaten erhielten. Kaiser Julian der Abtrünnige wollte die beiden Brüder wegen ihrer vortrefflichen Eigenschaften an seinen Hof nehmen. Sie lehnten aber die Ehrenämter ab mit der Erklärung, sie könnten bei dem nicht sein, der von Jesus Christus abgefallen wäre. Die Bedenkzeit von zehn Tagen benützten die Heiligen zur Verteilung ihres Vermögens unter die Armen. Am elften Tage kam Terentianus, Befehlshaber der kaiserlichen Leibwache, im Auftrage des Kaisers mit einer goldenen Statue des Jupiter und dem Befehle, sie müssten ihn anbeten und ihm opfern. Mit Entrüstung wiesen die heiligen Brüder dieses Unsinnen zurück. Deshalb wurden sie am 26. Juni 362 in ihrem Hause heimlich enthauptet und ihre heiligen Leiber vergraben. Weil man das Volk fürchtete, so wurde das Gerücht verbreitet, sie seien verbannt worden. Allein die heiligen Priester Crispus und Erispinian und die heilige Jungfrau Benedicta erhielten die Offenbarung, wo die heiligen Leiber vergraben wären. Weil sie den Frevel laut tadelten, wurden sie zur Verantwortung gezogen und wegen ihrer Standhaftigkeit enthauptet. Kaiser Jovinian ließ nach den heiligen Leibern forschen und verwandelte jenes Haus in eine Kirche, die noch steht. Die heiligen Johannes und Paulus gelten als Schutzpatrone inbezug auf das Gedeihen der Feldfrüchte und gegen schädliche Gewitter und Hagelschlag.

Lehre. Das Sprichwort sagt: »Nichts ist so fein gesponnen, es kommt doch an die Sonnen.« Gar manche Verbrecher, Ungerechtigkeiten ect. bleiben verborgen und unbestraft. Doch entgeht niemand dem göttlichen Richter. Zumal am allgemeinen Gerichtstage wird alles offenbar vor der ganzen Welt, und werden die Übeltäter beschämt und bestraft, die Verfolgten aber geehrt und ewig belohnt.

Kirchengebet. Wir bitten dich, o allmächtiger Gott! Lasse uns die doppelte Freude des heutigen Festes genießen, welche aus der Verherrlichung der hl. Johannes und Paulus erfließt, weil der nämliche Glaube und das gleiche Martyrium dieselben zu wahren Brüdern gemacht hat. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

26/2021