Jahrgang 2014 Nummer 45

Heiliger Gottfried, Bischof

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Gottfried (= Godefridus = Friede, Schützling Gottes) wurde in der Diözese Soissons in Frankreich geboren. Seine frommen Eltern überließen den fünfjährigen Knaben seinem Taufpaten Gottfried zur Erziehung, der Abt im Kloster St. Quentin war. Gottfried wurde Priester und dann Abt in einem Kloster der Champagne. Besonders zeichnet er sich durch die Bezähmung der Neugierde aus; nur das Notwendigste schien er stets zu hören und zu sehen. Sein Gebet war voll Vertrauen auf Gott und wurde sicher erhört. Einmal erlangte er durch das Gebet einen notwendigen, erquickenden Regen. Im Jahre 1103 wurde Gottfried ungeachtet seines Widerstrebens zum Bischof von Amiens erwählt. Die ihm anvertrauten Gläubigen suchte er durch Beispiel und Predigt zum Guten anzueifern. Die heilige Messe las der Heilige mit solcher Andacht, dass er oft reichliche Tränen vergoss und entzückt wurde. Überall stellte er Ordnung her; dadurch wurden ihm viele feindlich gesinnt. Einst reichte man ihm vergifteten Wein, aber der heilige Schutzengel warnte ihn; deshalb tauchte er ein Stückchen Brot in den Wein und gab es zur Probe seinem Hündchen, das alsbald verendete. Daher hat der heilige Gottfried auf manchen Bildern einen Hund neben sich. Er pilgerte auch nach Rom, wohnte hierauf dem Konzil von Vienne bei und verteidigte die gerechte Sache des Papstes Paschalis II. mutig gegen den Kaiser Heinrich V. Groß war seine Nächstenliebe. Täglich speiste er 13 Arme zu Ehren Christi und der heiligen 12 Apostel an seinem Tische. Oft ging er in das Spital der Aussätzigen, tröstete sie und spendete ihnen die heiligen Sakramente. Auf einer Reise nach Rheims starb der heilige Bischof im Stifte zu St. Crispinian den 8. November 1118. Gott verherrlichte ihn durch Wunder.

Lehre. Der heilige Gottfried ließ sich nicht abhalten, seine Pflichten zu erfüllen, wiewohl er dadurch Feinde bekam. Der heilige Paulinus sagt so schön: »Man muss es für eine Ehre halten, denen zu missfallen, die keinen Gefallen an Gott finden können.«

Gebet. Gewähre uns, o gütiger Gott! durch die Fürbitte deines heiligen Bischofs Gottfried deinen Beistand, dass wir uns niemals durch sündhafte Rücksichten von Erfüllung unserer Pflichten abhalten lassen, sondern nach deinem heiligen Willen tun und auf deinen Schutz vertrauen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

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