Jahrgang 2021 Nummer 8

Heiliger Eucherius, Bischof

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Eucherius (= willfährig), Sohn reicher, frommer und vornehmer Eltern zu Orleans in Frankreich, übertraf seine Altersgenossen an Tugend und Fleiß bei den Studien. Er trat in das Kloster von Tumièges und wurde 721 Bischof seiner Vaterstadt. Für das Gute begeistert, voll Liebe und Sanftmut, wurde er allen alles. Der Heilige hatte schon 16 Jahre sein bischöfliches Amt mit größtem Segen verwaltet, als der Reichsregent Carl Martell Güter seiner Kirche wegnahm unter dem Vorwande, die Kriegskosten zu bestreiten. Der heilige Bischof machte ihm darob ernste Vorstellungen. Dazu kamen falsche Anklagen, welche böse Menschen gegen den Heiligen erhoben. Er hatte sie nämlich freimütig wegen ihres schlimmen Wandels getadelt und erregte dadurch ihren Hass. Deshalb verbannte der Reichsregent den frommen Bischof nach Köln und dann auf ein Schloss bei Lüttich. Eucherius gab nicht nach; er war bereit, eher zu sterben, als Unrecht zu billigen. Der dortige Statthalter schätzte seine Tugend, übergab ihm das Amt der Armenpflege und erlaubte ihm, sich ins Kloster St. Trou begeben zu dürfen, wo der Heilige den 20. Februar 743 im Herrn entschlief.

Lehre. Der heilige Eucherius betrachtete die heilige Schrift und las mit Vorliebe die Briefe des heiligen Apostels Paulus. Besonderen Eindruck machte auf ihn die Stelle (I. Cor. 3, 19): »Die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott.« Darum richtete er seine Handlungen genau nach dem Willen Gottes und ließ sich von unerlaubten weltlichen Anschauungen und Rücksichten nicht verleiten. Ahmen wir, o Christen! den Heiligen nach, erfüllen wir den Willen Gottes und treten wir charakterfest überall ein für Wahrheit und Recht.

Gebet. O Gott, der du deinen heiligen Bischof Eucherius durch deine Gnade und deinen Beistand befähigt hast, standhaft die Rechte seiner Kirche zu verteidigen: gewähre auch uns deine Gnadenhilfe, damit wir deinen heiligen Willen treu erfüllen und den Weg deiner Gebote nicht verlassen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

8/2021

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