Jahrgang 2012 Nummer 38

Heiliger Emmeram, Bischof und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Emmeram (= emsig, tätig) kam 649 von Poitiers in Frankreich nach Regensburg, um den Avaren im heutigen Ungarn das Evangelium zu predigen. Herzog Theodo I. von Bayern beredete den heiligen Bischof, in Bayern zu bleiben und den heiligen Glauben zu verbreiten. Nach drei Jahren wollte er nach Rom pilgern. Die Prinzessin Uta, Tochter des Herzogs, wurde von einem Edelmanne verführt, ließ sich aber verleiten, den heiligen Bischof bei ihrem Vater als Verführer anzugeben. Uta wurde enterbt und nach Italien verbannt. Utas Bruder, Lambert, schwur dem Heiligen Rache. Er eilte ihm nach, traf ihn noch zu Helfendorf, als er eben sich anschickte, mit seinen Begleitern das Brevier zu beten; hörte die ruhige Verteidigung des heiligen Bischofs nicht an, sondern ließ ihn an eine Leiter binden und martern. Die Unmenschen stachen ihm die Augen aus, schnitten ihm Nase, Ohren, Hände und Füße ab und ließen ihn im Blute liegen. Die Gefährten hatten indessen Landleute herbeigerufen, mit deren Hilfe sie die Wunden des Heiligen tunlichst verbanden und ihn nach Aschheim bringen wollten. Aber auf dem Wege starb der heilige Emmeram als Martyrer den 22. September 652. Am Orte seines Martyriums wurde sein heiliger Leib begraben. Seine Unschuld wurde bald offenbar. Herzog Theodo ließ den heiligen Leib nach Regensburg bringen und im St. Georgskirchlein beisetzten (jetzt St. Emmeram). Auch wurde später ihm zu Ehren das berühmte Benediktinerkloster St. Emmeram gegründet.

Lehre. 1. Warum hört man so gerne Beschuldigungen an? 2. Warum glaubt man so leicht? 3. Warum gilt der gute Ruf des Angegriffenen weniger, als der des Angreifers? 4. Warum muss der Verklagende seine Behauptungen nicht beweisen? 5. Warum muss er für die Folgen seiner Schlechtigkeit nicht einstehen? 6. Warum verurteilt man so leicht den Verklagten?

Kirchengebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du deinen heiligen Priester (und Bischof) Emmeram seinen Lebenslauf durch das Martyrium beendigen lassen wolltest, verleihe, wir bitten dich: dass, wie jener die Verstümmelung seiner Glieder erduldet und statt die Erhaltung seines Lebens die Wohnung der Himmelsbürger erwählt hat: auch wir, nachdem unsere Neigungen aus dem Herzen herausgeschnitten sind, durch seine Verdienste und Fürbitte unter die Glieder deines eingeborenen Sohnes gezählt zu werden verdienen. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

38/2012