Jahrgang 2012 Nummer 28

Heiliger Camillus von Lellis, Ordensstifter

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Camillus stammte aus dem vornehmen Geschlechte der Lellier (daher sein Beiname) im Gebiete von Neapel, 1550 geboren. Er trat in den Kriegsdienst wie sein Vater, entsagte aber demselben 1574; daran war seine Spielwut Schuld, wodurch er große Verluste erlitt. Bei den Kapuzinern war er zweimal im Noviziate und musste jedesmal wegen einer argen Fußwunde austreten. Mit 32 Jahren begann Camillus das Studieren. Nachdem er Priester geworden war, gründete er die Kongregation der regulierten Kleriker zum Dienste der Kranken. Den üblichen drei Ordensgelübden wurde als vierte beigefügt, den Kranken und selbst den Pestkranken zu dienen. Einmal streckte dem Heiligen der göttliche Heiland in seinem Kreuzbilde die Hand entgegen. Papst Sixtus V. bestätigte 1586 die Kongregation, und Papst Gregor XIV. erhob sie 1592 zu einem Orden. Gott verlieh dem heiligen Camillus für seine heldenmütige Nächstenliebe die Gaben der Weissagung und Wunder und andere außerordentliche Gnaden. Nachdem er fünf schwere Krankheiten, die er Gnadenerweisungen des Herrn nannte, mit kindlicher Ergebung ausgestanden hatte, entschlief er zu Rom den 14. Juli 1614 im 65. Lebensjahre. Papst Benedikt der XIV. sprach ihn 1742 selig und 1746 heilig. Im römischen Martyrologium ist auch der 18. Juli als Verehrungstag des Heiligen bezeichnet.

Lehre. Camillus war ein so leidenschaftlicher Spieler, dass er sein ganzes Vermögen verlor und einige Zeit als Handlanger sein Leben fristen musste. Bei den Kindern mag für das Spielen eine längere Zeit gestattet werden; man soll ihnen auch etwas Nützliches in die Hand geben oder damit verbinden. Soll für Erwachsene das Spielen ohne Sünde sein, dann darf es nicht zu lange dauern; der Einsatz muss gering sein und alles leidenschaftliche muss ausgeschlossen werden.

Kirchengebet. O Gott, der du den heiligen Camillus mit der Gnade einer vorzüglichen Liebe geschmückt hast, um den Seelen der im Todeskampfe ringenden Gläubigen beizustehen; wir bitten dich, gieße uns wegen seiner Verdienste den Geist deiner Liebe ein, dass wir in der Todesstunde den Feind besiegen und zur Himmelskrone zu gelangen verdienen. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 


28/2012