Jahrgang 2021 Nummer 23

Heiliger Bonifacius, Erzbischof und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Winfrid wurde 680 in England geboren und trat schon mit sechs Jahren in ein Benediktinerkloster unter Leitung des heiligen Wolphard. Nach erlangter Erlaubnis reiste er als Missionär mit zwei Gefährten nach Friesland, musste jedoch ohne Erfolg nach England zurückkehren. Er wurde nun Abt seines Klosters. Nach zwei Jahren begab er sich zum Papste Gregor II. nach Rom, der ihm die apostolische Vollmacht zum Predigen gab und ihn Bonifacius (= Wohltäter) benannte. Der Heilige predigte sohin das Evangelium in Thüringen, Sachsen und Friesland. Bonifacius wurde jetzt nach Rom berufen und zum Bischofe geweiht. Nach seiner Rückkehr vollendete er die Bekehrung von Hessen und Thüringen. Abermals nach Rom berufen, ernannte ihn der Papst zum Erzbischof und apostolischen Delegaten. Dadurch wurde der Heilige in den Stand gesetzt, vier Bistümer zu errichten und Diözesansynoden abzuhalten. Bonifacius wurde Erzbischof von Mainz, ging dann nach Utrecht und predigte nochmals das Evangelium in Friesland. Viele wurden bekehrt und zur heiligen Firmung vorbereitet. Am bestimmten Tage kamen aber anstatt der Firmlinge wilde Horden von heidnischen Friesen, drangen in das Zeltlager ein und töteten den Heiligen, der das Evangelienbuch über sein Haupt hielt, nebst seinem Schüler, dem Bischofe Eoban und noch 51 Gefährten am 5. Juni 755. Die Reliquien des Heiligen ruhen in Fulda. Der heilige Bonifacius, Apostel Deutschlands, wurde im Leben und nach dem Tode von Gott durch Wunder verherrlicht.

Lehre. Der heilige Augustin schreibt: »Es gibt keinen größeren Reichtum, keinen größeren Schatz, keine größere Ehre und kein größeres Gut in dieser Welt, als den katholischen Glauben. Danken wir dem heiligen Apostel von Deutschland für seine große Liebe und seinen Seeleneifer und beten wir für die Wiedervereinigung im heiligen katholischen Glauben.

Kirchengebet. O Gott, der du eine Menge Völker durch den Eifer deines heiligen Martyrers und Bischofs Bonifacius zur Erkenntnis deines Namens zu berufen dich gewürdiget hast: verleihe gnädig, dass indem wir sein Andenken feiern, wir auch seines Schutzes teilhaftig werden. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

23/2021