Jahrgang 2021 Nummer 29

Heiliger Alexius, Bekenner

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Alexius (= Helfer) war der Sohn eines vornehmen und reichen Senators in Rom. Er wurde sorgfältig ausgebildet. Der fromme Jüngling sollte heiraten. Eine königliche Prinzessin war seine Braut; die Hochzeit fand mit großer Feierlichkeit statt. Am Abende trat Alexius in das Brautgemach, übergab seinen Ehering und noch andere wertvolle Sachen in einem Tuche seiner Gemahlin und stellte sich, als hätte er noch rasch etwas Wichtiges zu tun. Nachdem er viel Geld und Wertsachen an sich genommen, eilte er aus dem väterlichen Hause, kam ans Meer, fand ein Schiff zur Abfahrt bereit und segelte nach Asien. Alle Nachforschungen waren umsonst. Er vertauschte seine Kleider, verschenkte alles und lebte von Almosen. Nach 17 Jahren, welche er unter dem Namen Riscia in Frömmigkeit und Bußstrenge zugebracht hatte, wollte er nach Tarsus reisen. Das Schiff wurde aber an das Gestade in der Nähe von Rom verschlagen. Jetzt fasste Alexius den Entschluss, im elterlichen Hause um Herberge zu bitten. Es wurde ihm ein armseliges Kämmerlein unter einer Stiege angewiesen. Die Bediensteten verspotteten ihn, rissen ihn an den Haaren und schütteten auch Unrat über ihn. Er ertrug alles mit Geduld. So lebte denn der Heilige unerkannt abermals 17 Jahre. Als eine Stimme in der Kirche ihn wunderbar zu erkennen gab, eilten die Seinigen sogleich zu ihm und sahen, wie er eben seinen Geist aufgab den 17. Juli 417. Er hatte einen Brief in der Hand, in welchem sein Name und alle Lebensschicksale geschrieben standen.

Lehre. Alles, was nur immer auf Erden für angenehm gehalten wird, stand dem heiligen Alexius zur Verfügung; und er opferte alles Gott auf! Hänge, o Christ! dein Herz nicht an das Irdische, sondern gebrauche die Dinge dieser Welt nur aus Notwendigkeit und denke stets daran, den Himmel zu gewinnen.

Kirchengebet. O Gott, der du deinen Bekenner Alexius durch eine wunderbare Verachtung der Welt ausgezeichnet hast: wir bitten dich, verleihe, dass durch die Hilfe seiner Fürbitte deine Gläubigen das Irdische geringschätzen und immer nach dem Himmlischen trachten. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

29/2021