Jahrgang 2012 Nummer 35

Heiliger Aegidius, Abt und Nothelfer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus, erschienen im Jahre 1890

Ägidius (=Beschützer) war der Sohn edler Eltern zu Athen in Griechenland. Er wurde gut unterrichtet und zeichnete sich durch besondere Liebe zu den Armen aus. Nach dem Tode der Eltern verkaufte er sein ganzes Besitztum und verteilte es. Die allgemeine Hochachtung fiel ihm lästig; daher verließ er sein Vaterland und lebte in Frankreich als Einsiedler. Landleute ließen ihm keine Ruhe mehr, indem sie in allen Anliegen von ihm Trost und Hilfe verlangten; deshalb eilte Ägidius fort und wohnte in einer Höhle bei Gard im Bistume Nismes. Wurzeln und Kräuter und Wasser waren seine Nahrung. Gott schickte ihm eine Hirschkuh, von deren Milch er sich besser nähren konnte. So verlebte der Heilige mehrere Jahre in Gebet, Betrachtung und Bußübungen ganz verborgen. Aber der Gotenfürst Wemba kam auf der Jagd in die Nähe, schoss auf die Hirschkuh Pfeile ab, verfolgte ihre Spur und entdeckte hiedurch, da diese in die Höhle flüchtete, den heiligen Einsiedler. Der Fürst wollte ihn an seinen Hof nehmen; das Anerbieten aber, hier ein Kloster zu gründen, nahm der Heilige an. Er gab seinen Mönchen, deren erster Abt er wurde, die Regel des heiligen Benedict, leuchtete ihnen in allen Tugenden vor und schloss sein frommes Leben am 1. September um das Jahr 725. Der heilige Abt Ägidius gehört zu den 14 heiligen Nothelfern und wird um Hilfe zur Ablegung einer guten Beichte und auch um den Ehesegen angerufen.

Lehre. Der heilige Ägidius wollte aus Demut unbekannt bleiben und war bestrebt, sich immer besser kennen zu lernen. Strebe auch du, o Christ! nach der so wichtigen Selbsterkenntnis, worüber Clemens von Alexandrien sagt: »Die schöne und nützliche aller Wissenschaften ist die Selbsterkenntnis. Wer sich selbst erkennt, der erkennt auch Gott«.

Gebet zu den 14. heiligen Nothelfern. Allmächtiger, ewiger Gott! der du die heiligen 14 Nothelfer vor allen anderen Heiligen mit besonderen Vorzügen geschmückt hast, so dass alle, welche in irgendeiner Not ihre Fürbitte anrufen, gemäß deiner Verheißung die heilsame Wirkung ihrer Fürsprache erfahren: verleihe uns die Nachlassung der Sünden und erlöse uns von allen Widerwärtigkeiten. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

35/2012