Jahrgang 2012 Nummer 8

Heilige Walburga, Abtissin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890



Walburga (Walburgis = mächtige Beschützerin) war die Tochter des heiligen Fürsten Richard von England und Schwester des heiligen Willibald und des heiligen Kunibald. Der heilige Bonifacius berief Klosterfrauen aus England, um auch in Deuschland Frauenklöster zu gründen. Es kam die heilige Lioba mit anderen Ordensfrauen, darunter die heilige Walburg, im Jahre 748 nach Deutschland. Der heilige Kunibald hatte auf Wunsch des heiligen Bischofes Willibald von Eichstätt in Heidenheim für sich und seine Genossen ein Kloster errichtet und neben demselben ein Kloster für Frauen. Diesen wurde 754 die heilige Walburg als Abtissin vorgesetzt. Sie oblag eifrig dem Gebete, Wachen und Fasten und hielt ihren Leib von frühester Jugend an in heilsamer Zucht. Ihre Tätigkeit war auch nach außen hin eine große. Sie erteilte Rat, Trost, Hilfe, wirkte Wunder, heilte Kranke und arbeitete erfolgreich an der Ausbreitung des Christentums, namentlich bei Frauenspersonen. Den 25. Februar 779 verschied die Heilige im 79. Lebensjahre. Im Kloster werden ihre Brustgebeine verehrt. Der übrige heilige Leib war in das Kloster zu Monheim gekommen und ist nicht mehr vorhanden; wahrscheinlich wurde er bei Einführung der Reformation vernichtet.

Lehre: Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen auch nach deren Tode. Aus den Brustgebeinen der heiligen Walburga fließt schon viele Jahrhunderte zu gewisser Zeit ein heilsames Öl, das oft wunderbar Krankheiten heilt. Von den Heiligen kommt Segen und dauert auch nach deren Tod noch fort, während durch die Gottlosen Unsegen besonders infolge der Ärgernisse oft auch nach ihrem Tode fortwuchert. Man hüte sich daher vor bösen Taten auch mit Rücksicht auf deren traurige Folgen.

Gebet der Kirche: O Gott! der unter den zahllosen Gnadengaben auch beim Frauenvolke Großes wirkest: verleihe gnädig, dass wir durch die Fürbitte deiner seligen Jungfrau Walburga deine Barmherzigkeit erfahren, indem wir nicht nur durch das Beispiel ihrer Reinheit belehrt, sondern auch durch die Glorie ihrer Wunder erfreut werden. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.




8/2012