Jahrgang 2021 Nummer 36

Heilige Rosalia, Jungfrau und Einsiedlerin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Rosalia (= rosig) war die Tochter des Herzogs Sinibaldus, welcher seine Abstammung auf Kaiser Karl den Großen zurückführte, und zu Palermo auf der Insel Sizilien geboren. Aus Liebe zu Jesus Christus entsagte die 14-jährige Jungfrau allen zeitlichen Aussichten, zog sich in eine Höhle zurück und führte ein himmlisches Leben. Als Führer dienten ihr zwei Engel. Später erwählte Rosalia eine andere Höhle auf dem Berge Pellegrino, von wo aus sie ihre Vaterstadt sehen konnte, um sich noch mehr in der Entsagung zu üben. Die bösen Geister erschienen ihr, suchten sie zu erschrecken und ihr Abscheu an dem rauhen Leben und an der Einsamkeit einzuflößen. Die fromme Einsiedlerin aber jagte dieselben in die Flucht, indem sie Gott um Hilfe anrief, mit einer eisernen Kette ihren Leib umschloss, Nächte durchwachte und auf bloßer Erde schlief. Fern von allem Verkehre mit Menschen, war sie einzig auf den himmlischen Trost angewiesen, der ihr auch durch Erscheinungen des göttlichen Heilandes öfters zuteil wurde. Etwa 18 Jahre lang lebte Rosalia in solcher Weise und schied aus dem Leben am 4. September 1160. Im Jahre 1624 wurde ihr heiliger Leib aufgefunden; ebenso eine Inschrift in der ersten von ihr bewohnten Höhle, welche ihre Lebensschicksale in Kürze enthielt. Die heiligen Reliquien wurden nach Palermo übertragen, wobei die damals herrschende Pest allsogleich erlosch. Durch die Anrufung ihrer Fürbitte wirkte Gott viele Wunder, welche die Heiligkeit seiner Dienerin bestätigen. Die Stadt Palermo erwählte die heilige Rosalia zu ihrer Schutzpatronin.

Lehre. Die heilige Rosalia dachte nur daran, den Himmel zu gewinnen. Dies soll auch dein Bestreben sein, o Christ! Beherzige die Worte des heiligen Bernard: »Ich zittere, wenn ich daran denke, dass ich sterben muss, weil ich nicht weiß, wer mich in der andern Welt aufnehmen wird!«

Gebet. O Gott, der du die heilige Jungfrau Rosalia von den fürstlichen Vergnügungen der Welt hinweg in die Bergeseinsamkeit geführt hast: verleihe gnädig, dass wir durch ihre Verdienste und Fürbitte von den Lockungen dieser Welt zur Liebe der himmlischen Freuden gewogen und von den Geißeln deines Zornes barmherzig befreit werden. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

36/2021