Jahrgang 2014 Nummer 20

Heilige Restituta, Jungfrau und Martyrin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Restituta war von adeligem Stamme zu Paniza in Afrika; sie lernte die christliche Religion kennen und ließ sich taufen. Auch gelobte sie die Jungfräulichkeit und lebte auferbaulich. Bei der Christenverfolgung unter Kaiser Domitian ließ der Richter Proclinus die fromme Jungfrau ergreifen. Sie legte ein mutiges Bekenntnis ab, wurde aber dafür entkleidet, grausam geschlagen, mit Ketten beladen und in einen finsteren Kerker geworfen, wo ein Engel sie tröstete. Beim zweiten Verhöre wurde die Heilige gefoltert, mit eisernen Krallen zerfleischt, vielfach gepeinigt; dann an den Haaren an einem Pfahle aufgehängt und mit den Füßen angenagelt. Endlich brachte man Restituta in ein mit Werg, Pech und Harz gefülltes Schifflein; dasselbe wurde ins Meer hinausgerudert und angezündet. Die Schergen aber wurden durch Gottes Macht im Meere versenkt. Die Heilige betete um einen glückseligen Tod. Das Feuer erlosch; ein Engel erschien, brachte ihr süßen Trost und führte ihre Seele in das himmlische Paradies am 17. Mai um das Jahr 290. Das Schifflein landete an der Insel Ischia. Ein Engel klärte im Traume die fromme Frau Lucina über das Martyrium der heiligen Restituta auf und mahnte sie, den heiligen Leib derselben, der am Ufer sei, ehrerbietig zu bestatten. Lucina entsprach genau der himmlischen Weisung. Später wurden die Reliquien der heiligen Restituta nach Neapel übertragen.

Lehre. Die heilige Restituta sprach vor dem Richterstuhle: »Kein Richter dürfe sich dem Zorne hingeben, sondern müsse vier Haupttugenden bewahren, nämlich Klugheit, Starkmut, Mäßigkeit und Gerechtigkeit. Durch die Klugheit kann man die Bösen von den Guten unterscheiden; durch den Starkmut die Widerwärtigkeiten gleichmütig ertragen; durch die Mäßigkeit wird die Begierlichkeit bezähmt, und durch die Gerechtigkeit Jedem das Seinige zugeteilt.

Gebet der heiligen Restituta. O Herr Jesus Christus! der du mit deinem kostbaren Blute die Welt von ihren Verbrechen gereinigt hast: schaue auf mich und erbarme dich meiner. Denn auf dich hoffe ich, auf dich vertraue ich; ich werde nicht zu Schanden in Ewigkeit«. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

20/2014