Jahrgang 2021 Nummer 5

Heilige Martina, Jungfrau und Martyrin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Martina (= stark, tapfer), eine vornehme, römische Jungfrau, verschenkte ihr großes Vermögen an die Armen. Ihr Glaube und ihre Tugenden konnten nicht lange verborgen bleiben. Kaiser Alexander Severus ließ sie vor sich führen und forderte sie vergebens zum Götzendienste auf. Sie betete: es entstand ein Erdbeben und ein Götzentempel stürzte in Trümmer. Dafür wurde sie ins Angesicht geschlagen; ein Engel bewahrte sie vor weiterer Misshandlung. Am andern Tage abermaliges Verhör der »Zauberin«. Sie blieb standhaft, wurde entsetzlich gefoltert, und halbtot in das Gefängnis zurückgebracht, das von himmlischem Lichte erhellt wurde. Die Heilige sang mit Engeln das Lob Gottes. Nun ward ein hungriger Löwe auf sie losgelassen, legte sich aber zu ihren Füßen nieder. Neuerdings verhört, wurde Martina wegen ihres vermeintlichen Trotzes gefoltert und dann in einen Scheiterhaufen geworfen, dessen Flammen auf ihr Gebet durch einen starken Regen erloschen. Zuletzt wurde sie enthauptet am 1. Januar 228. Ihre heiligen Reliquien wurden 1634 aufgefunden und in die zu ihrer Ehre vom Papste Urban VIII. erbaute und benannte Basilika übertragen. Sie gehört zu den Schutzheiligen Roms. Ihr Verehrungstag ist der 30. Januar.

Lehre. Fromme und heilige Personen werden um so wohltätiger, je mehr sie die himmlischen Güter schätzen lernen. Wie viele haben selbst ihr großes Vermögen wie die heilige Martina zu guten Zwecken geopfert. Andere leben abgetötet und geben, was sie erübrigen können. Denn nicht alle dürfen auf ihre Güter einfach verzichten. Befolge, o Christ! die schöne Mahnung des frommen Tobias: »Hast du viel, gib viel; hast zu wenig, gib auch vom Wenigen gern.«

Gebet der Kirche. O Gott! der du unter den übrigen Wundern deiner Allmacht auch beim schwächeren Geschlechte den Sieg des Martyriums bewirkest: verleihe gnädig, dass, die wir das Geburtsfest deiner hl. Jungfrau und Martyrin Martina begehen, wir durch die Kraft ihres Beispiels stets zu dir fortschreiten. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

5/2021

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