Jahrgang 2021 Nummer 21

Heilige Julia, Jungfrau und Martyrin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Julia (= jugendlich) stammte von vornehmen und christlichen Eltern in Afrika und erhielt eine gute Erziehung. Von Barbaren ihren Eltern entrissen, wurde sie an den Kaufmann Eusebius aus Syrien als Sklavin verkauft. Dieser achtete ihre Tugenden und überließ ihr die Besorgung des Hauswesens. Nach zwanzig Jahren wollte er wertvolle Waren nach Frankreich bringen und nahm die fromme Julia mit sich. Auf der Insel Korsika wurde gelandet. Es wurde gerade eine Opferfeier abgehalten. Julia sprach ihren Abscheu davor aus und blieb auf dem Schiffe. Eusebius aber war so unklug und rühmte seine christliche Sklavin. Er wurde mit Wein berauscht. Dann ließ der Statthalter Felix die fromme Sklavin mit Gewalt herbeibringen. Wegen Verweigerung des Götzenopfers erhielt sie Backenstreiche, es wurden ihr die Haare ausgerissen, dann ward sie gegeißelt und zuletzt an ein Kreuz geheftet, wo sie unter Lobpreisungen Gottes in demselben Augenblicke ihren Geist aushauchte, als Eusebius erwachte und sie am Kreuze erblickte den 22. Mai um das Jahr 550. Die Gemahlin des Longobardenkönigs Desiderius, Ansa, ließ die Reliquien der heiligen Julia 723 nach Brescia übertragen, wo dieselben von Gott durch Wunder verherrlicht wurden.

Lehre. Die heilige Julia tröstete sich über ihr furchtbares Unglück, als vornehmes Fräulein zu einer Sklavin erniedrigt zu werden, mit den Worten: »Gottes heilige Vorsehung hat es so über mich beschlossen, ihr will ich mit unerschütterlicher Geduld vertrauen, ihrem Schutze mich ganz überlassen und sie wird mich zu meinem Seelenheile leiten.« Beherzige, o Christ! wie die heilige Julia in solcher äußerst schwierigen Lage ihren Glauben und ihre Tugend bewahrte und nicht gegen Gott murrte, noch weniger verzweifelte, sondern sich ganz in Gottes Fügung ergab. Murre auch du nicht gegen Gottes weise Vorsehung, sondern glaube und vertraue!

Gebet. O Gott, der du deine heilige Dienerin und Jungfrau Julia mit der Standhaftigkeit im Leiden und mit der Palme des Martyriums geschmückt hast; verleihe uns gnädig durch deren Fürbitte, dass wir nach ihrem Beispiele uns von aller Begierlichkeit enthalten und mit ihr in deiner ewigen Herrlichkeit uns erfreuen dürfen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

21/2021