Jahrgang 2021 Nummer 34

Heilige Johanna Franzisca von Chantal

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Johanna Franzisca war die Tochter des Präsidenten Fremiot von Dijon in Frankreich, 1572 geboren. Mit 20 Jahren verehelichte sie sich mit dem Baron von Chantal. Sie liebte ihren Gemahl auf das zärtlichste und kürzte manchmal ihre Andachten ab, um ihm einsame Stunden angenehm zu machen. So oft sie gesegneten Leibes war, dankte sie Gott, dass er ihr eine unsterbliche Seele anvertraut habe. Die vier überlebenden von sechs Kindern erzog die fromme Mutter mit aller Sorgfalt. Sie wachte auch über ihre Dienerschaft, hielt sie zu den religiösen Pflichten an, schickte sie fleißig in den Pfarrgottesdienst, ließ dieselben jeden Tag in eine heilige Messe gehen und gab einem jeden ein bestimmtes Geschäft zur gehörigen Zeit. Nachdem ihr Gemahl infolge einer Schusswunde bei der Jagd gestorben, ergab sich Johanna allmählich in den Willen Gottes und verzieh dem unvorsichtigen Schützen. Der heilige Franz von Sales wurde ihr Seelenführer und bewog sie zur Stiftung eines neuen Ordens (von der Heimsuchung, auch Orden der Salesianerinnen genannt) 1610. Sie ertrug alle Beschwerden, Lästerungen, den Tod geliebter Personen und öfter wiederkehrende Krankheiten mit großer Standhaftigkeit, und verschied zu Moulins den 13. Dezember 1641. Papst Benedict XIV. sprach sie 1751 selig, Papst Clemens XIII. 1767 heilig und Papst Clemens XIV. bestimmte 1769 als Ehrentag der Heiligen den 21. August.

Lehren der heiligen Johanna. »Das Gebet ist ein verborgenes Manna, welches nur von dem, der es verkostet, erkannt und geschätzt wird. In seinem Genusse wächst uns die Lust, es noch mehr zu genießen. – Es ist etwas Wunderbares um die Liebe, welche die göttliches Güte den einfältigen Seelen erzeigt, die sich ihr auf Gnade oder Ungnade ergeben und nichts wünschen und anstreben, als diesem guten Gott wohlgefällig zu sein.«

Kirchengebet. Allmächtiger und barmherziger Gott, der du mit deiner Liebe die heilige Johanna Franzisca entzündet, sie mit einer wunderbaren Geistesstärke auf allen ihren Lebenswegen zum Fortschreiten in der Vollkommenheit beschenkt und durch sie deine Kirche mit einen neuen Orden geschmückt hast: verleihe durch ihre Verdienste und Fürbitte, dass, wie wir unsere Schwachheit kennen und auf deine Kraft vertrauen, wir durch die Hilfe der himmlischen Gnade alle Widerwärtigkeiten überwinden. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

34/2021