Jahrgang 2012 Nummer 33

Heilige Helena, Kaiserin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Helena (= leuchtend, berühmt) wurde 248 zu Drapana in Bithinien (Kleinasien) geboren. Obwohl von einfachem Stande, wurde sie dennoch wegen ihrer vortrefflichen Eigenschaften die Gemahlin des Kaisers Constantius Chlorus. Ihr Sohn war der berühmte Kaiser Constantin der Große. Als dieser seinen Mitkaiser Marentius besiegt hatte, gewährte er der christlichen Religion volle Freiheit und erhob sie zur Staatsreligion. Von Gott gemahnt, reiste Helena nach Palästina, um das heilige Kreuz aufzusuchen. Die Götzenbilder wurden von den heiligen Stätten entfernt. Unterstützt vom heiligen Macarius, Bischof von Jerusalem, ließ die fromme Kaiserin eifrig nachgraben. Das heilige Kreuz wurde denn auch aufgefunden. Die Heilige besuchte alle heiligen Orte, ließ viele Kirchen bauen und verwendete große Summen zu deren Ausschmückung und zu Almosen. Ein großes Stück vom heiligen Kreuze nebst den drei heiligen Nägeln sendete sie an ihren Sohn, Kaiser Constantin, nach Rom. Der Kaiser erließ ein Gesetz, dass von nun an das Kreuz nie mehr als Werkzeug zur Bestrafung von Verbrechern angewendet werden dürfte. Die heilige Helena ertrug geduldig alle Beschwerden, auch die Verstoßung vonseiten ihres Gemahls, der 308 starb. Sie war eifrig in Erfüllung ihrer Pflichten, trug als Witwe einfache Kleidung und starb im Alter von 80 Jahren, reich an Verdiensten und Tugenden, am 18. August 328 selig im Herrn. Ihr heiliger Leib wurde nach Rom überführt und feierlich beigesetzt.

Lehre. Verehre, o Christ! andächtig das heilige Kreuz. Der heilige Bernard sagt so schön: »Die Arme des Kreuzes sind mit vier Edelsteinen geschmückt: der oberste und kostbarste ist die Liebe; auf der rechten Seite der Gehorsam, auf der linken die Geduld und unten die Demut«.

Kirchengebet. O Herr Jesus Christus! Du hast die Stätte, wo dein Kreuz verborgen war, der heiligen Helena geoffenbart, um durch sie deine Kirche mit diesem kostbaren Schatze zu bereichern: verleihe uns durch deren Fürbitte, daß wir um den Preis dieses Lebensbaumes die Belohnung des ewigen Lebens erlangen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

33/2012