Jahrgang 2021 Nummer 11

Heilige Euphrasia, Klosterjungfrau

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Euphrasia (= wohldenkend) war die Tochter reicher und adeliger Eltern zu Konstantinopel und mit dem Kaiser Theodosius I. dem Großen nahe verwandt. Nach dem Tode des Vaters begab sich die Mutter in die Thebaische Wüste in Ägypten und diente Gott in der Nähe eines Karmelitinnenklosters. Mit ihr kam auch die Tochter öfter in das Kloster; erst acht Jahre alt, umfasste sie ein Kreuz und bat um Aufnahme. Diese wurde ihr gewährt. Euphrasia erbaute nun alle durch ihre Tugenden und besonders durch den sogenannten blinden Gehorsam. Auf Geheiß der Oberin trug sie mehrmals Steine von einem Orte zum andern und wieder zurück (siehe Bild!), bereitete das Brot, trug ganze Körbe voll zu Armen und fastete im Alter von 12 Jahren bereits strenge. Da kam vom Kaiser eine Botschaft an die Heilige, sie sollte sich mit einem angesehenen Bräutigam vermählen. Euphrasia schrieb aber einen so rührenden Brief an den Kaiser, der auch ihr Vormund war, dass dieser sogar darüber Tränen vergoss, sie gerne im Kloster beließ und auf ihren Wunsch alle ihre Güter an die Armen, Waisen und Kirchen verteilte. Sie war ungemein demütig und gedachte nicht ihrer hohen Geburt. Gott schmückte seine Dienerin mit der Wundergabe und nahm sie im Alter von 30 Jahren zu sich in den Himmel den 13. März um das Jahr 410.

Lehre. Die Mutter opferte ihr heiliges Kind Gott dem Herrn auf mit den Worten: »Nimm, o Herr! dieses unschuldige Kind in deinen Schutz. Es liebt und sucht nur dich und will auch nur dein allein sein.« O möchten die Eltern ihre Kinder täglich dem lieben Gott aufopfern, der sie ihnen anvertraut hat, und wofür sie Rechenschaft geben müssen. Sie sollten die Kinder ja nicht behindern, sondern ihnen helfen, dass sie jenen Stand wählen, der nach dem Willen Gottes ist. Die Kinder aber sollen von der heiligen Euphrasia lernen, ihren Eltern genauen Gehorsam zu leisten und Freude zu machen.

Gebet. O Gott, der du deine heilige Dienerin Euphrasia von zartester Jugend an die Wege der Heiligkeit geführt hast: stehe uns mit deiner Gnade bei, dass wir die Wege deiner Gebote wandeln und jene Vollkommenheit erreichen, welche du von uns verlangst. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

11/2021

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