Jahrgang 2021 Nummer 30

Heilige Christina, Jungfrau und Martyrin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Christina (=Christin) war geboren zu Tyro in Italien. Der Vater Urbanus war Kriegsoberst und adelig. Christina bewunderte den Heldentod, der von ihrem Vater verfolgten Christen, ließ sich in der heiligen Religion unterrichten und taufen. Nun zerstörte sie voll Eifer die goldenen und silbernen Götzenbilder ihres Vaters und verteilte die Stücke unter die Armen. Der Vater wurde darüber wütend und gab ihr zuerst Backenstreiche; dann ließ der sie so grausam schlagen, dass von ihrem Körper stückweise das Fleisch herabfiel. Nun wurde Christina gefangen gesetzt; am andern Tage ward sie auf ein eisernes Rad gebunden, mit Öl übergossen, und dann wurde das Rad langsam über einem Feuer umgedreht. Die Heilige blieb standhaft und auch unverletzt. Der verblendete Vater ließ seine liebe Tochter hierauf an einen Mühlstein fesseln und mit diesem in den nahen See werfen; aber ein Engel rettete sie. Der Vater starb eines jähen Todes. Dessen Nachfolger Dio verhängte neue Peinen über die hartnäckige Christin. Er starb ebenfalls plötzlich. Der dritte Peiniger Julian ließ die zwölfjährige Jungfrau in einen glühenden Ofen werfen, worin sie fünf Tage lang unversehrt blieb, ferner mit giftigen Schlangen zusammensperren und dann ihr die Zunge abschneiden. Endlich wurde die Heilige mit Pfeilen getötet den 24. Juli 302.

Lehre. Wer etwa über diese Martern der heiligen Christina Zweifel erheben wollte, der möge den bekannten Ausspruch des heiligen Augustin bedenken. »Die Wunder sind nicht wegen der Gläubigen, sondern wegen der Ungläubigen.« Gott hat über manche heiligen Martyrer solche Peinen verhängen lassen und sie dabei wunderbar beschützt, um darauf hinzuweisen, dass er der allmächtige Herr sei. Die Leiden dienten auch den heiligen Martyrern zur größeren Verherrlichung im Himmel und auf Erden.

Kirchengebet. O Gott, der du deiner heiligen Jungfrau und Martyrin Christina den Glauben und die Standhaftigkeit im Leiden verliehen hast: gewähre gnädig, dass, wie jene die schauerlichen Peinen ausgehalten hat, so auch wir durch ihre Fürbitte die Versuchungen des wütendsten Feindes zu besiegen vermögen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

30/2021