Jahrgang 2021 Nummer 13

Heilige Augusta, Jungfrau und Martyrin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Ein deutscher Fürst kam nach Saravalle im Gebiete von Venedig in Italien. Sein Charakter war hart und grausam; seine Tochter Augusta (= erhaben) hingegen milde und wohltätig. Diese wurde heimlich Christin. Der Vater schöpfte Verdacht und befragte sie darüber. Mit Ruhe und Ehrerbietung antwortete Augusta: »Ich habe dem Götzendienste entsagt, und meine größte Freude ist es nun, Jesus Christus, den allein wahren Gott, anzubeten, zu lieben und mich mit ihm zu beschäftigen. Auch du würdest ihn lieben, wenn du ihn kennen wolltest.« Dafür wurde sie ohne Nahrung eingeschlossen. Die Heilige brachte die Nacht im Gebete zu, um die Gnade der Beharrlichkeit zu erlangen. Am nächsten Morgen rief der Vater alle Bewohner seines Palastes zusammen und befragte neuerdings seine Tochter um ihren Glauben. Als sie jedoch standhaft, beim Bekenntnisse Jesu Christi beharrte, so ließ dieser Todfeind der Christen ihr zwei frische Zähne brechen und sie abermals einsperren, unter Androhung schrecklicher Peinen, wenn sie nicht aufhörte, einen Gekreuzigten anzubeten. Die Heilige stärkte sich wieder durch inniges Gebet. Am folgenden Tage wurde sie das dritte Mal befragt und gab die gleiche entschiedene Antwort. Da kannte die Wut des verblendeten Götzendieners keine Grenzen mehr. Er befahl, sein eigenes Fleisch und Blut verleugnend, die unschuldige Jungfrau zwischen zwei Bäumen aufzuhängen und darunter ein Feuer anzuzünden. Aber ein plötzlicher Sturm trieb die Flammen auf die Umstehenden. Des ungeachtet ließ der Gottlose seine liebe Tochter enthaupten am 27. März um das Jahr 100. Über dem Grabe der heiligen Martyrin wurde eine Kirche erbaut. Auf ihre Fürbitte hin geschahen viele Wunder.

Lehre. Entsetzlich ist die Verblendung und Verhärtung mancher Menschen, so dass sie auf keine Bande des Blutes mehr Rücksicht nehmen, keinen Funken Gefühl mehr haben und sich vom bösen Geiste zu den schändlichen und grausamsten Taten verleiten lassen. – O welch ein Glück ist es hingegen, Jesus zu kennen, ihn anzubeten und die milden Lehren seines Evangeliums zu befolgen!

Gebet. O heilige Jungfrau und Martyrin Augusta, die du so standhaft den heiligen Glauben bekannt und die Leiden erduldet hast: bitte für uns, dass wir im heiligen Glauben verharren und uns durch keine Versuchung zum Bösen verleiten lassen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

13/2021

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