Jahrgang 2021 Nummer 28

Heilige Amalia, Herzogin und Nonne

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Amalia (= Amalberga = unbefleckt) war von Geburt aus hochadelig und sehr nahe verwandt mit Pipin dem Älteren von Landen in Frankreich. Sie wurde gegen ihren Willen mit Witgar, Herzog von Lothringen, vermählt. Nachdem sie nun einmal im Ehestande war, jammerte sie nicht unnütz, sondern erfüllte ihre Pflichten genau nach dem Willen Gottes. Gott hatte auch mit ihr besondere Absichten. Denn aus dieser Ehe gingen fünf Heilige hervor: Der heilige Ablebert (Emebert), später Bischof von Cambrai, und vier Töchter: Reineldis, Gudila, Pharaild und Ermelind. Diese fünf Kinder wurden sorgfältig erzogen. Allmählich reifte in beiden Ehegatten der Entschluss, mit gegenseitiger Einwilligung, sich in ein Kloster zu begeben. Amalia trat als Nonne in das Benediktinerinnenkloster zu Maubeuge und empfing den Schleier aus den Händen des seligen Bischofs Autbert von Cambrai. Die Heilige brachte ihre noch übrigen Lebenstage in aller Gottseligkeit zu und verschied am 10. Juli 690. Ihr heiliger Leib wurde später nach Lobbe in den Niederlanden und dann nach Bingham übertragen. An beiden Orten wird die heilige Amalia sehr verehrt.

Lehre. Wird aus Übereilung, ohne reifliche Überlegung und eifriges Gebet eine Ehe geschlossen, so entstehen fast immer die größten Unannehmlichkeiten und Leiden. Mit der Gnade Gottes kann auch der verfehlte Beruf verbessert werden, Ruhe und Frieden in das Herz einziehen und die Lage erträglich machen. Die Uebel werden hingegen vermehrt, wenn man sich gegenseitig Vorwürfe macht, sich in den Stand nicht fügen, wenn keines nachgeben will. Die Ehe, einmal gültig geschlossen, wird erst durch den Tod aufgelöst.

Gebet. O Gott, der du deiner hl. Dienerin Amalia Ergebung in deinen heiligen Willen verliehen hast: gewähre allen, die in ihrem Stande sich unglücklich fühlen, deine besondere Erleuchtung und Gnade, dass sie sich in ihre Lage fügen, die Standespflichten treu erfüllen und durch geduldige Ertragung ihrer Beschwerden die ewige Seligkeit sich verdienen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

28/2021