Jahrgang 2005 Nummer 43

Heilige als Retter in Wassernot

Wie St. Antonius einem Salzburger Bürger zu Wohlstand verhalf

St. Spiridion, Fürbitter der Seefahrt. Ölskizze des Wiener Malers Johann Peter Krafft, um 1830.

St. Spiridion, Fürbitter der Seefahrt. Ölskizze des Wiener Malers Johann Peter Krafft, um 1830.
Antonius von Padua als Retter in Seenot. Aus dem Andachtsbuch von Johann Kaufmann, Salzburg 1699.

Antonius von Padua als Retter in Seenot. Aus dem Andachtsbuch von Johann Kaufmann, Salzburg 1699.
Der hl. Nikolaus erscheint Schiffern in Seenot. Unbekannter Salzburger Meister des 15. Jahrhunderts.

Der hl. Nikolaus erscheint Schiffern in Seenot. Unbekannter Salzburger Meister des 15. Jahrhunderts.
Johann Kaufmann, der Bedienstete eines reichen Handelsherren in Salzburg, machte im Jahre 1692 das Geschäft seines Lebens. Für billiges Geld erwarb er eine als verschollen geltende Schiffsladung aus dem fernen Indien, betete inbrünstig zum heiligen Antonius von Padua, dass das Schiff doch noch auftauchen möge – und der Heilige ließ ihn nicht im Stich. Mit wochenlanger Verspätung traf das Schiff in Venedig ein, und Johann Kaufmann war ein gemachter Mann. Bei aller Erfolgsfreude vergaß er seinen himmlischen Helfer nicht. Er ließ ihm zu Ehren eine Kapelle bauen und auf eigene Kosten ein illustriertes Andachtsbuch drucken. Die 53 Kupferstiche schildern zunächst das Leben des hl. Antonius und sodann eine Reihe Fälle, in denen der Wundertäter Menschen in Not geholfen hat.

Auf einem Bild sieht man einen von hohen Wellen hochgewirbelten Dreimaster, dessen Besatzung sich verzweifelt bemüht, die Lage in den Griff zu bekommen. Die Taue sind schon gerissen, ein Segel flattert im Wind. In dieser Situation erscheint St. Antonius auf den Wolken des Himmels und verheisst mit segnender Geste Rettung aus der Not. Das daneben stehende Gedicht preist Antonius als Patron der Seefahrer:

Dem Meer und seinem Wüten,
den Wellen auch zugleich,
Antonius thut gebieten,
er beherrscht des Meeres Reich.

Das Meer er selbsten trittet,
es darf sich rächen nit.
Wer ihn in Meers-G’fahr bittet,
der fahrt in gutem Fried.

Dass der heilige Antonius als Retter in Seenot verehrt wird, hängt mit seiner Biographie zusammen. Der in Lissabon geborene Ordensmann geriet bei der Überfahrt zur Mission in Marokko in einen Seesturm, dem er nur mit Mühe entkam. Die Beschreibung dieser Episode und den dazu gehörenden Kupferstich sieht man bei einer Ausstellung mit Meisterwerken der Marinemalerei vom 14. bis zum 19. Jahrhundert in der Salzburger Residenzgalerie bis Ende Oktober. Der umfangreiche Katalog enthält als Ergänzung interessante Ausführungen über die antike und christliche Ikonographie, vor allem über die im Mittelalter verehrten Patrone der See- und Flussschifffahrt. In unserer Gegend war natürlich der heilige Nikolaus der wichtigste Beschützer der Schiffer auf Flüssen und Seen. Nach der Legende hat er einer Schiffsbesatzung, die ihn in Seenot anrief, mit eigenen Händen Segel und Taue in Ordnung gebracht und die Wogen gestillt. Weitere Schutzpatrone von Seereisenden sind die Heiligen Markus, Erasmus, Stephanus, Aegidius, Ursula, Klara und Maria Cervello.

Besucher der griechischen Insel Korfu sollten nicht versäumen, in der orthodoxen Kirche der Hauptstadt das Grab des heiligen Spiridion aufzusuchen. Seine Reliquien werden stehend in einem Sarg aufbewahrt. Spiridion stammt von der Insel Zypern und soll ursprünglich Schafhirte gewesen sein. Später wurde er Bischof der zyprischen Stadt Trimithus und nahm im Jahre 325 am Konzil von Nicäa teil. Wie seine Reliquien nach Korfu kamen, ist nicht bekannt. Auf Korfu steht seine Verehrung auch heute noch in hoher Blüte, er wird von der Bevölkerung als Patron der Schiffer und als Helfer gegen Hochwasser angerufen.

Kaufleute und Pilger dürften den Spiridion-Kult nach Europa gebracht haben. Nur so ist es erklärlich, dass der Wiener Maler Johann Peter Krafft (1780 bis 1856) eine Ölskizze für ein Altarbild mit dem hl. Spiridion angefertigt hat, das offenbar nie ausgeführt worden ist.

JB

Literatur: Thomas Habersatter (Hg): »Schiff voraus – Marinemalerei des 14. bis 19. Jahrhunderts«, Verlag der Residenzgalerie in Salzburg.



43/2005