Jahrgang 2021 Nummer 14

Gedanken zur Osterzeit

Ostern war in meiner Kindheit noch fest mit dem christlichen Glauben verbunden

Wenn ich in der Zeit in der das Osterfest schon ganz nahe ist, beim Bäcker die frischgebackenen Osterlämmchen anschaue, dann beschleicht mich jedesmal ein eigenartiges, ja wehmütiges Gefühl. Sind diese doch einer von den wenigen Bräuchen, die sich seit meiner Kindheit bis in die heutige Zeit noch erhalten haben. Wenn diese auch die Wertschätzung von einst größtenteils verloren haben.

Da sehe ich, als wäre es erst vor kurzen gewesen, mein kleines Osternest, das ich jedes Jahr von meiner »Gon« bekommen hatte. In dem neben den bunt gefärbten Eiern in der Mitte ein selbstgebackenes Lämmchen mit einem roten Fähnlein stand.

Die letzte Woche vor Ostern, die Karwoche, war etwas ganz besonderes. Nicht nur, dass in diesen Tagen das Fasten noch strenger eingehalten wurde, es gehörte auch der Kirchgang, zur gut einer halben Stunde entfernten Pfarrkirche, zum rhythmischen Ablauf dazu. So war der Gründonnerstag, an dem die »Kirche« zwar besonders lang dauerte, dennoch aufregend für mich, denn da durfte ich den ganzen Nachmittag mit meiner Großmutter Eier färben. Ich sagte zu ihr, dass sie neben der großen Familie, den vielen »Goden« (Paten), auch Muschi meine Freundin nicht vergessen dürfe. Die »Antlasseier«, die unsere Hennen in der Nacht zum Gründonnerstag gelegt hatten, schätzte die Großmutter ganz besonders. Von diesen geht eine besondere Kraft aus und sie faulen auch nicht. Am Karfreitag ging ich besonders gerne zusammen mit der Großmutter ins Pfarrdorf, denn die »Karfreitagsratschn«, die von den Ministranten gedreht wurden, machten anstatt der Kirchenglocken ein lautes Geschepper und waren ja nichts Alltägliches. Auch durfte ich an diesem Tag ganz nahe an das Heilige Grab, das vor dem Altar aufgebaut war und in dem mit großen, bunten Glaskugeln geschmückt, der Heiland lag, gehen.

Wie schade ist es, dass der schöne, alte Brauch des »gweicht' Feuer laufens', einfach »abgekommen« ist. Noch heute denke ich daran, wie am Karsamstag unser Nachbarsbub die Anhöhe herauflief und schon von Weitem rief: »s'gweicht Feuer is' da«. Ich sehe meine Großmutter wie sie das große Ofentürl in der Küche drinnen, weit aufmacht und Hubert aus seiner Laterne einen großen Klumpen Glut, die der Pfarrer zuvor geweiht hatte, in die »Schür« schiebt.

Bei der feierlichen Auferstehungsfeier am Abend staunten wir Kinder jedes Mal, wenn der Heiland plötzlich vom Grab verschwand und unmittelbar danach hinter dem Altar »auferstanden« ist. Als der Organist das Lied »Der Heiland erstaunt« anstimmte, sangen Jung und Alt laut und feierlich mit.

Am Ostersonntag schickte sich jeder mit der morgendlichen Arbeit in Stall und Haus. Meine Großmutter hatte in den großen »Speiskorb« mehrere gefärbte Eier gelegt, auch einen Laib Brot und ich durfte das gebackene Osterlämmchen vorsichtig in die Mitte stellen.

Alle in der Familie zogen das »schöne Kirchengwand« an und zusammen mit Großmutter, Mutter und den Tanten machte ich mich erneut auf den Weg zum feierlichen Hochamt in der Pfarrkirche. Ich war ganz aufgeregt und stolz, als ich den Osterkorb ganz allein bis zum Altar zur Speisenweihe tragen durfte und passte genau auf, ob der Pfarrer auch genug Weihwasser auf unseren Korb spritzte. Nach dem Gottesdienst hatten auch wir Kinder ebenso wie die Erwachsenen, unser Plätzchen zum Ratschen und Fragen. Wer sein Osternest von der »Gon« schon bekommen hatte? Ob etwa auch ein Osterhase aus Schokolade mit drinnen sei?

Die Zeit wurde uns viel zu kurz, doch die Großmutter drängte zum Heimgehen, denn die »Gamerin« wartete bestimmt schon mit einem guten Osterbraten auf uns, hatte doch die Fastenzeit lange genug gedauert. Muschi und Mathl, meine beiden Freundinnen, riefen mir noch nach, sie kämen am Nachmittag zu mir zum »Oascheib'n«.

Nach dem Mittagessen holte ich mit dem Großvater zwei Holzrechen vom Dengelhäuschen und stellte diese vor dem Haus kreuzweise übereinander, sodass eine schmale Rinne entstand. Wie verabredet kam bald darauf das Mattl mit drei Eiern, Muschi hatte nur eins, denn so meinte sie verlegen, mehr bekam sie nicht von daheim. Meine Großmutter aber hatte schon längst daran gedacht, so hatte auch Muschi ihre drei Eier.

Wer weiß schon von den Erwachsenen geschweige denn von den Kindern heute noch, wie das »Oascheib'n« geht. Wie wir Kinder uns damals noch über jedes zerbrochene Ei des anderen, das wir über die Rille herunterrollen ließen, freuten. Wie lustig es war, wenn der Pfennig, den wir auf die Eier gelegt hatten, herunter viel. Wenn das angestoßene Ei zerbrach, dann wurde es gegessen, so hatten wir drei es ausgemacht.

Zur Brotzeit am Nachmittag hat die Großmutter auch für uns ein Stück vom Osterkuchen hergerichtet und dazu ein Haferl von unserem Lindenblütentee. Am Ostermontag sind die ganzen »Goden« zu Besuch gekommen, da sind die Feiertage für Jung und Alt viel zu kurz gewesen.

Eine aufregende und schöne Zeit sind jedes Jahr die Kartage und das Osterfest gewesen. Gar oft denke ich bei mir, wie sehr sich wohl manches Kind heute darüber freuen würde, in diesen einfachen und doch so aufregenden Tagen mittendrin zu sein, bei dem Gang über die Wiesen- und Waldwege dem Pfarrdörfchen zu, ganz einfach dazu zu gehören.

 

Elisabeth Mader

 

14/2021

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